"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Auf die Praxis kommt es an" (Von Manfred Mitterwachauer)

Ausgabe vom 16. Oktober 2007

Innsbruck (OTS) - Hand aufs Herz: Wenn ab März 2008 in der Inns-brucker Innenstadt 80 statt 50 Cent für eine halbe Stunde Parken fällig sind, wird ein jeder Autofahrer fluchen. Egal, ob Autobahnvignette, Benzinpreis oder Haftpflichtversicherung - wer zum Zweck der eigenen Mobilität lieber den Zündschlüssel umdreht als eine Zug- oder Bahnkarte zu lösen, ist primär eines: die Melkkuh der Nation.

Das von Verkehrsstadtrat Walter Peer (SP) vom harten Verhandlungstisch auf die wackelige Waagschale der Innsbrucker Regierungskoalition geworfene Verkehrspaket ist umfassend. Das Ziel klar: Staus raus, Leben rein. Denn eines steht fest: Bleibt alles beim Alten, ist Innsbrucks Innenstadt auf eine Rolle abonniert: die des verkehrspolitischen Verlierers. Das Paket daher nur auf seine heftigen Parkgebührenerhöhungen zu reduzieren, wäre falsch. Erstmals ist ein ernsthafter Versuch erkennbar, die Autofahrer nicht nur mit finanziellen Daumenschrauben zum Umdenken zu bewegen, sondern zeitgleich echte Anreize zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel anzubieten.

Fraglich bleibt, ob Peers (Paket-)Ideal auch der Wirklichkeit stand hält. In erster Linie werden sich Sillpark, dez und Co. die Hände reiben. Sie locken schon jetzt mit dem, was in Zukunft in der Innenstadt noch rarer wird: kostenloser Parkraum - in rauen Massen. Denn noch fehlt dem Zentrum ein zugkräftiger Magnet, wie das neue Kaufhaus Tyrol, um die Kundenströme auch auf Dauer umzuleiten. Und das Park-&-Ride-Prinzip ist in der Landeshauptstadt schon einmal kläglich gescheitert. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, was von Peers Verkehrspaket übrig bleibt: eine leere Verpackung oder doch der Inhalt.

manfred.mitterwachauer@tt.com

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