"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nobelpreis ist eine schallende Ohrfeige für Präsident Bush" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 13.10.2007

Graz (OTS) - Dass der diesjährige Friedensnobelpreis an einen Umwelt-Aktivisten vergeben würde, orakelte man im Umfeld des Osloer Nobelpreis-Komitees schon vor Wochen. Denn die Klimaveränderung ist mittlerweile in aller Welt ein Thema. Und seit ein Hurrikan New Orleans vernichtete, seit Arnold Schwarzenegger politische Gegner mit Klima-Parolen vor sich hertreibt und Ex-Vizepräsident Al Gore mit seinem Klima-Film "Eine unbequeme Wahrheit" einen Oscar gewonnen hat, nimmt sogar das ignorante Amerika zur Kenntnis, dass die Erderwärmung alle angeht.

Das Nobelkomitee hat angeblich lange gestritten, ob es den Preis ein Jahr vor den US-Präsidentschaftswahlen tatsächlich einem prominenten Demokraten zuerkennen soll. Als dann gestern die Entscheidung für Gore verkündet war, tat Komiteechef Ole Danbolt Mjös Fragen nach etwaiger Wahlkampfhilfe für einen möglichen Kandidaten Gore demonstrativ ab.

Aber dass die Vergabe als eine schallende Ohrfeige für den als Umweltsünder gebrandmarkten Intimfeind und Kritiker von Gore, US-Präsidenten George W. Bush gedacht ist, liegt auf der Hand.

Dementsprechend zähneknirschend hat sich das Weiße Haus gestern "natürlich gefreut über den Nobelpreis für Mr. Gore". Doch diese "Freude" brachte nicht der Präsident zum Ausdruck, auch nicht sein Sprecher, sondern bloß der stellvertretende Sprecher.

Viele Demokraten in Amerika, die weder von der reschen Hillary Clinton noch vom Farbigen Barack Obama als Präsidentschaftskandidaten angetan sind, sehen jetzt Licht am Ende des Tunnels. Zwei Tage vor der Verleihung des Nobelpreises meldete sich eine Gruppe unter dem Namen "draftgore.com" (etwa: "holt Gore") mit einer ganzseitigen Anzeige in der "New York Times" zu Wort: "Viele gute, engagierte Kandidaten bewerben sich um die demokratische Nominierung", hieß es darin. "Aber keiner von ihnen vereint wie Gore Erfahrung, Visionen, weltweites Ansehen und politischen Mut."

Aber Gore, der als Vizepräsident wahrlich keine Lichtgestalt war, der als ungeschickter und hölzerner Redner galt und der einen sicher scheinenden Sieg bei der Präsidentenwahl 2000 gegen George W. Bush verstümpert hat, ist mittlerweile zu einer Ikone geworden.

Staatsmann, Klima-Papst, Hollywood-Star und jetzt gar noch Friedensnobelpreisträger - und dieser Mann soll wieder in die Niederungen einer schäbigen Wahlkampf-Schlacht hinabsteigen?

Sorry, Gore-Fans! Euer Mann ist zu groß geworden für das Weiße Haus. ****

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