Getreide: Technische Kurskorrektur löste zwischenzeitlich Preisknick aus

Schwacher Dollar und Angst auf Finanzmärkten bescheren Rohstoffmärkten neuen Zulauf

Wien/Brüssel (AIZ) - Der Kassamarkt für Weizen in Österreich bleibt sehr ruhig. Die meisten Verarbeiter scheinen ihren Rohstoffbedarf schon bis Jahresende gedeckt zu haben. Damit reagierte die Branche auf das Nachgeben der internationalen Weizenterminmärkte bis Mitte dieser Woche nur mit einigem Erstaunen, aber nicht damit, dass die Mühlen den Preisknick gleich zum Anlass genommen hätten, wieder verstärkt in den Markt einzusteigen. Auch die Abgeberseite scheint es dadurch nicht eiliger zu haben. Man sieht dies eher als technische Kurskorrektur an den Warenterminbörsen: Viele Fonds hätten ihre Gewinne der vergangenen Wochen und Monate durch Verkäufe versilbert und die gut gedeckten Abnehmer physischer Ware wären mangels Bedarf nicht wieder eingestiegen.

"Die fundamentalen Marktdaten haben sich nicht geändert, im Gegenteil, die global knappe Versorgungslage bestätigt sich zunehmend. Also wo sind da die Signale, die auf weiter sinkende Preise hindeuten?", kommentiert ein Lagerhalter etwas verwundert.

Wiener Weizennotierungen gaben bei dünnem Geschäftsfluss nach

Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien notierte diesen Mittwoch aus den wenigen neu abgeschlossenen Geschäften Premiumweizen um EUR 8,50 sowie Qualitäts- und Mahlweizen um EUR 9,50 pro t niedriger als in der Vorwoche. Man hält nun im Mittel des Preisbandes bei EUR 262,- pro t für Premiumweizen, EUR 255,- pro t für Qualitätsweizen und EUR 249,- pro t für Mahlweizen.

An den internationalen Warenterminbörsen bleibt der Eindruck einer spekulativ angetriebenen rasanten Fahrt auf der Hochschaubahn: Der November-Weizenfuture an der Pariser MATIF schloss beispielsweise vergangenen Freitag (05.10.2007) mit EUR 253,25 pro t, am Montag stürzte der Schlusskurs auf EUR 235,- pro t ab und erfing sich dann in drei Tagesschritten trotz des mittlerweiligen Auf und Abs bis Donnerstag wieder auf EUR 249,- pro t. Heute, Freitag, am Vormittag nahm der Pariser November-Weizen wieder die Hürde von EUR 250,-. Mit einem kurzfristigen Tageshoch von EUR 255,- pro t machte er im Wochenabstand das zwischenzeitliche Tief nahezu wieder wett.

Schwacher Dollar und Angst auf Finanzmärkten bescheren Rohstoffmärkten neuen Zulauf

Ähnlich spielte es sich an der CBOT in Chicago ab. Auf Limits Down (maximaler an einem Handelstag zulässiger Kursverlust) folgte gestern, Donnerstag, prompt wieder ein Limit Up (maximaler an einem Handelstag zulässiger Kursanstieg). Hielten manche Analysten die Terminmärkte für agrarische Rohstoffe angesichts der stereotyp ausschließlich auf Bullenklima setzenden Marktberichte von sich verknappender Versorgung und Exportboom in der US-Weizenbranche für einen neuerlichen Einstieg der Hedgefonds schon als "abgelutscht", bescheren der schwache US-Dollar (12.10.2007, 12.11 Uhr: EUR 1,-entspricht USD 1,421) und die Flucht aus den von Krisenangst verunsicherten Finanzmärkten dem Rohstoffterminhandel frischen Zulauf. Dabei fährt auch Weizen im Windschatten von Commodities wie Gold, dessen Kurse Rekordwerte erklimmen, oder Rohöl mit.

In den USA soll die Abgabebereitschaft der Landwirte für Mais deutlich gestiegen sein, weshalb es auch dadurch zu einem Preisdruck kam. Da die USA aber keine GVO-Freiheit ihrer Maisexporte garantieren wollen, kommen sie als Lieferant für die EU nicht in Frage. Die Union muss sich bei Maisimporten an Produzenten wie Brasilien halten, die aber nicht so günstig wie die USA sind und die vor allem auch ihre Marktmacht durch die Begrenztheit des Angebots der von der EU geforderten GVO-Freiheit am Weltmarkt ausspielen können.

EU importiert Futtergetreide vom Weltmarkt - Aber auch EU-Weizenexport wieder aktiver

Die Exporte von Weizen und Gerste aus der EU belebten sich zuletzt gegenüber den Vorwochen wieder. Noch auffälliger sind allerdings umfangreiche Einfuhren von Mais und Sorghum in die EU. Europa ist in dieser Saison ein Nettoimporteur von Getreide. Heimische Marktteilnehmer hielten es daher für absurd, wenn der Getreidemarkt in der EU damit spekulierte, durch ein Absenken der Preise zu versuchen, trotz des gleichzeitig extrem hoch bewerteten Euros am Weltmarkt beim Weizenexport wettbewerbsfähig zu werden. "Das Wenige, was wir heuer haben, können wir locker daheim - und zu hohen Preisen - absetzen", meint ein einheimischer Marktbeobachter. Dieser hält auch deswegen nichts davon, den jüngsten Preisknick an den internationalen Börsen zum Anlass hektischer Verkäufe zu nehmen. Die fundamentalen Marktdaten stünden nämlich nach wie vor gut und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage deute weiter in Richtung fester Preise.

Russland: Ab Mitte November Exportzoll auf Gerste und Weizen

In Russland wurde jetzt die Einführung von Exportzöllen auf Getreide offiziell. Gemäß einem heute veröffentlichten Regierungsbeschluss sind Ausfuhren von Weizen und Gemenge mit einer Abgabe von 10% des Zollwertes, aber mindestens EUR 22,- pro t zu belegen. Auf Gerste werden 30% bei einer Mindesthöhe von EUR 70,- pro t eingehoben. Die Maßnahme tritt in einem Monat in Kraft und soll bis Ende April 2008 gelten.

Österreich: Trotz vielversprechender Latte Nassmaispreis noch kein Maispreis

"Bitte warten!", heißt es in Österreich noch auf eine Maisnotierung. Der Nassmaismarkt habe zwar schon die Latte auf dem von den Produzenten erwarteten relativ hohen Niveau gelegt. Nach dem jüngsten Einknicken der internationalen Börsen hätten es sich die Verarbeiter aber mit den daraus ableitbaren und von ihnen angeblich nahezu schon akzeptierten Preisgeboten für Körnermais wieder überlegt und sich vom Markt zurückgezogen, heißt es aus Branchenkreisen. Das in Mitteleuropa knappe Angebot, lange Transportwege von den Seehäfen und geringer Mengendruck aus der Ernte ließen aber auch am Maismarkt die Abgeberseite ruhig Blut bewahren, auch wenn in Ungarn die Mindestpreise für die Interventionsverkäufe auf den Binnenmarkt zuletzt etwas zurückgegangen sind. Denn in Ungarn stehen nur noch rund 350.000 t Mais für den Verkauf auf dem Binnenmarkt zur Verfügung. In dieser Woche schlug die Kommission 95.800 t ungarischen Interventionsmais zu EUR 212,63 pro t zu. Vor zwei Wochen lag der Mindestpreis für den Mais noch bei EUR 220,10 pro t.

Weiters gab die Kommission aus Ungarn noch 2.034 t Interventionsweizen zu EUR 233,21 pro t für den Binnenmarkt frei und stockte die Binnenmarktausschreibung von ungarischem Interventionsweizen um 96.712 t auf.

Ungarische Landwirte planen landesweite Proteste wegen des Futtergetreidemangels

Der ungarische Landwirteverband MOSZ kündigte heute in Budapest, obwohl als Vertreter von Großbetrieben und Genossenschaften eher als sein für zahlreiche Proteste bekanntes Oppositions-Pendant MAGOSZ als regierungsnah geltend, landesweite Protestmaßnahmen an. Die Demonstrationen sollen auf die schwierige, durch eine Futtergetreideknappheit als Folge der heurigen Missernte hervorgerufene Lage des Schweinesektors aufmerksam machen. "Das Viehfutter ist ausgegangen, die Landwirte haben die letzten Reserven verbraucht, es herrscht Hoffnungslosigkeit", heißt es in einer Stellungnahme von MOSZ.

Italien und Österreich: Hype beim Durumweizen

Ein Hype scheint sich dagegen auf dem Hartweizenmarkt abzuzeichnen. Nachdem die italienischen Verarbeiter bisher mit nahezu aufreizend an den Tag gelegtem Phlegma an die Deckung ihres Rohstoffbedarfs herangegangen wären, wären sie nun nach kolportierten Qualitätsproblemen bei französischem Durum und einer verspäteten Ernte in Kanada hellwach aufgeschreckt und würden versuchen, "mit irrwitzigen Fantasiepreisen" alles zusammenzukaufen, dessen sie nur habhaft werden können, berichten Brancheninsider.

Starke Nachfrage und schwaches Angebot: Sonnenblumenpreis steigt

Deutlich bergauf ging es dank äußerst lebhafter Nachfrage bei nicht allzu üppigem Ernteertrag in Österreich auch bei den Sonnenblumen: Die Wiener Notierung legte über die Woche um EUR 10,-pro t auf ein Mittel des Preisbandes von EUR 357,50 pro t zu, Raps blieb auf EUR 327,50 pro t stehen.
(Schluss) pos/mö/pom

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