Rheumatour 2007 startet am Freitag mit Informationstag in Wien

Wien (OTS) - Zwei Millionen Menschen leiden in Österreich an einer der zahlreichen Erkrankungen des so genannten rheumatischen Formenkreises. ÄrztInnenschaft, Gesundheitspolitik und Selbsthilfe setzen auf Aufklärung und Information für Rheuma-Betroffene. Die Rheumatour 2007 der Aktion "Kampf dem Rheuma" startet am 12. Oktober, dem Welt-Rheumatag, mit einem Informations- und Beratungstag in Wien, in den kommenden Wochen folgen Aktionstage in mehreren Landeshauptstädten.****

Information, Aufklärung sowie niedrigschwellige und wohnortnahe Beratung: Das ist das Ziel der Rheumatour 2007, mit der die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) ihre breit angelegte Informationsoffensive "Kampf dem Rheuma" fortsetzt. Am Weltrheumatag (12. Oktober) startet die Aktion mit einem Beratungstag im Wiener Volkstheater, weitere Aktionstage Graz, Klagenfurt, Linz und Innsbruck folgen. Bei einer Pressekonferenz mit der Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely, ÖGR-Präsidenten Univ.-Prof. Dr. Winfried Graninger, dem Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, der Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga Daniela Loisl und dem Rheumatologen Univ.-Prof. Dr. Marcus Köller wurden heute die geplanten Aktivitäten und aktuelle Forderungen vorgestellt.

Unterschätzte Epidemie - Früherkennung entscheidend

"Wenn wir davon ausgehen, dass rund zwei Millionen Österreicherinnen und Österreicher zumindest einmal im Leben von einer der mehreren hundert Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises betroffen sind, dann ist zu diagnostizieren, dass Rheuma in Österreich noch immer so etwas wie eine unterschätzte Epidemie ist", betont Univ.-Prof. Dr. Winfried Graninger. "Das kann drastische Folgen für Patientinnen und Patienten haben, denn gerade bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew sind eine möglichst frühe Diagnose, und darauf aufbauend eine angemessene Therapie, besonders wichtig, um ein Fortschreiten der Krankheit zu bremsen oder ganz zu verhindern", so der ÖGR-Präsident.

Allerdings finden im gesamtösterreichischen Durchschnitt 54 Prozent der Patientinnen und Patienten erst fünf Jahre nach dem ersten Auftreten rheumatischer Symptome eine kompetente Therapie gegen rheumatoide Arthritis. Im Falle des Morbus Bechterew dauert es bei Männern durchschnittlich 8,4 Jahre, bei Frauen sogar 9,8 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten von Symptomen bis zu einer Diagnosestellung. "Das ist eine alarmierende Bilanz, denn gegen Krankheiten dieses Typs gibt es heute ausgesprochen wirksame Medikamente. Diese nicht rechtzeitig verschrieben zu bekommen, kann den Unterschied zwischen einem vitalen, schmerzarmen Leben mit guter Lebensqualität einerseits, und einer Karriere gekennzeichnet von Schmerz, Behinderung, Arbeitsunfähigkeit und stark verkürzter Lebenserwartung ausmachen", sagt Prof. Graninger.

Daher sei es so wichtig, Betroffene und ihre Angehörigen besonders für die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen zu sensibilisieren, über die ersten Symptome aufzuklären, und immer wieder die Notwendigkeit einer kompetenten Diagnose als Grundlage einer optimalen Behandlung zu betonen. "Dies umso mehr, als entzündliche rheumatische Erkrankungen keineswegs nur Krankheiten des fortgeschrittenen Alters sind, sondern bereits junge und sogar sehr junge Menschen betreffen können", sagt der ÖGR-Präsident.

Gute Versorgungsstrukturen in Wien

Der Zugang zu spezialisierter Versorgung und Betreuung hängt für Patientinnen und Patienten mit rheumatischen Erkrankungen noch immer stark davon ab, in welcher Region sie leben. Während Wien eine hohe Versorgungsdichte aufweist, ist das bei weitem nicht überall sonst der Fall. "Die Bundeshauptstadt ist bei der Diagnose und Therapie von rheumatischen Erkrankungen Vorreiterin in ganz Österreich. In Wien haben wir der Tatsache, dass es sich bei Rheuma um eine Volkskrankheit handelt, längst Rechnung getragen und das Versorgungsnetz für Betroffene dicht geknüpft", betont die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely.

Wien verfügt nicht nur über vier spezialisierte Abteilungen an den Spitälern, sondern auch über 12 Ambulanzen, an denen Spezialistinnen und Spezialisten für Rheumatologie zur Verfügung stehen. Dazu kommen fünf Ambulatorien als Anlaufstellen für Menschen, die an Rheuma erkrankt sind. "Das führt dazu, dass die Einrichtungen in Wien auch Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern mitversorgen", sagt die Stadträtin.

In Studien wurde klar nachgewiesen, dass bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen Betroffene am meisten von einer Therapie profitieren, wenn die Behandlung bereits innerhalb der ersten drei Monate nach Ausbruch der Beschwerden einsetzt. Stadträtin Wehesly:
"Frühe Behandlung und frühe Erkennung setzen aber auch ein Bewusstsein über die Erkrankung voraus. Deshalb legen wir in Wien auch seit Jahren großen Wert auf gezielte Aufklärung der Bevölkerung. Für die Stadt Wien ist es daher selbstverständlich, diese wichtige Aktion der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie zu unterstützen."

Rheumatour bringt SpezialistInnen zu den Betroffenen

"Wenn die Betroffenen nicht zu den Rheumatologen kommen oder kommen können, dann müssen die Rheumatologen eben zu den Patienten gehen", fasst Univ.-Prof. Dr. Marcus Köller die Zielrichtung der Aktion "Kampf dem Rheuma" zusammen, die heuer bereits zum dritten Mal mit der Rheumatour Aufklärungsaktivitäten in ganz Österreich setzt. "Es geht uns darum, möglichst vielen Menschen mit Beschwerden im Bewegungsapparat eine leicht zugängliche, kostenlose Beratung durch Fachärzte zukommen zu lassen, und damit den ersten Schritt zu einer entsprechenden Abklärung und schließlich ausreichenden Behandlung zu setzen."

Wie wichtig diese Aktivitäten sind, die vielen Menschen eine erste Hilfestellung gegen ihre Beschwerden bieten, zeigen die Zahlen der Rheuma-Touren in den beiden Vorjahren. "Etwa die Hälfte der rund 4.000 Betroffenen, die bei den Aktionstagen Rat und Hilfe gesucht haben, waren zuvor mit ihren Beschwerden noch nie in ärztlicher Behandlung", berichtet Prof. Köller. "Die durchschnittliche Dauer der Beschwerden lag bei acht Jahren."

RheumapatientInnen oft benachteiligt

Die nach wie vor verbreitete Bagatellisierung von Rheuma führe dazu, dass Betroffene über die Schmerzen und Behinderungen hinaus in mehrfacher Weise benachteiligt seien, kritisiert Daniela Loisl, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga: "Viele Rheumatikerinnen und Rheumatiker werden zum Beispiel beim Pflegegeld in einer niedrigeren Stufe eingestuft, als das dem tatsächlichen Ausmaß ihrer Behinderung entsprechen würde. Das unter anderem deshalb, weil offenbar nicht alle Amtsärzte mit den Besonderheiten rheumatischer Erkrankungen vertraut sind. Zum Beispiel, dass es im Tagesverlauf oft zu starken Schwankungen bei den Beschwerden kommt. Oder dass es im Krankheitsverlauf zu Schüben massiver Krankheitsaktivität kommen kann, die auch von Phasen geringerer Beschwerden abgelöst sein können." Genau das könne Betroffenen dann bei behördlichen Begutachtungen zum Verhängnis werden, nicht nur in Sachen Pflegegeld, sondern auch bei Anträgen auf Invaliditätspension oder den so genannten Behindertenausweisen.

"Viele Menschen, die an rheumatischen Erkrankungen leiden, kommen dadurch nicht in den Genuss von Leistungen des Sozialsystems, die Personen dieses Behinderungsgrades eigentlich zugedacht sind", so Loisl. Das sei auch deshalb dramatisch, weil Rheuma-Patienten nicht nur einem hohen Leidensdruck ausgesetzt sind, sondern häufig auch einem dramatischen ökonomischen Druck. "Die Erkrankung kann durch Arbeitsunfähigkeit und Invalidität leicht in die Armutsfalle führen. Zum Beispiel werden 50 bis 60 Prozent der Menschen im arbeitsfähigen Alter mit rheumatoider Arthritis innerhalb von zehn Jahren nach Krankheitsbeginn arbeitslos", so die Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga.

Durch Aufklärung und Früherkennung Folgekosten vermeiden

Auch angesichts der Folgekosten seien rheumatische Erkrankungen ein besonders wichtiges Krankheitsfeld, dem entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse, fordert der Vizepräsident der Ärztekammer Wien, Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres. "Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates stellen nach Atemwegserkrankungen die zweithäufigste Ursache für Krankenstände dar. Allein bei der Wiener Gebietskrankenkasse werden jährlich mehr als 110.000 Krankenstandsfälle wegen derartiger Beschwerden verzeichnet, das bedeutet in der Bundeshauptstadt insgesamt 2,1 Millionen Krankenstandstage." In ganz Österreich sind es knapp acht Millionen pro Jahr. Bei den Frühpensionierungen sind Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises Spitzenreiter und für ein Drittel aller vorzeitigen Ruhestände verantwortlich.

"Früherkennung und rechtzeitige Behandlung sind gerade bei dieser Gruppe von Erkrankungen entscheidend, um die Lebensqualität Betroffener zu erhalten und Folgeschäden sowie Invalidisierung so weit wie möglich zu verhindern", so Prof. Szekeres. "Aufklärung und Information hat für uns Ärztinnen und Ärzte hohe Priorität. Wir unterstützen daher die Rheumatour 2007. Denn so können auch Menschen erreicht werden, für die der Zugang zu spezialisierten Ärzten sonst nicht so einfach ist."

Der jeweils aktuelle Stand der Termine und Beratungs-Standorte der Rheumatour 2007 kann unter www.rheuma2000.at bzw. www.rheumalige.at abgerufen werden.

o Information und Kontakt:
B&K - Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mag. Roland Bettschart; Mag. Daniela Pedross:
Tel.: 01-3194378; Fax: 01-3194378-20;
Mobil: 0676-6356775;
E-Mail: pedross@bkkommunikation.at
Fotos von der Pressekonferenz zum Download unter:
http://moritz.wustinger.com/b&k/index.html

(Schluss) lac

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