Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: "Gnadenlose Doppelmoral" (von Claudia Grabner)

Ausgabe, 10. Oktober 2007

Klagenfurt (OTS) - Moralisch haben wir es in den Keller gebracht. Österreich hat 2005 ein Fremdengesetz beschlossen, das zu den schärfsten in Europa zählt. Restriktiv. Wenig menschlich. Man wollte sie offensichtlich nicht - die Ausländer. Die Fremden. Die Sozialschmarotzer. Die Kriminellen. Aus den Bezeichnungen, mit denen man sie versah, hat die Verachtung gesprochen. Die Angst. Abneigung gegen das Andere. Geschürt von einer Politik, die mit unserem Empfinden ein lustiges Wahlspielchen treibt ...

Und plötzlich ist Schluss mit lustig. Plötzlich fällt jener in Ungnade, der sich gnadenlos an die Gesetze hält. An die Gesetze, die von der Politik beschlossen und von der Mehrheit der Bevölkerung gutgeheißen wurden. Plötzlich sucht jeder nach dem "Ja, aber ..." als hätte er es nicht früher gewusst. Als hätte er nicht gewusst, was das Gesetz bedeutet: Unmenschlichkeit.

Und gerade als man meint, Österreich hätte - dank einer 15-jährigen Kosovo-Albanerin - sein Herz gefunden, geht es vorwärts retour in die Doppelmoral: Das Asylrecht soll schon bleiben, wie es ist. Nur, wenn ein Mädchen gar so lieb ausschaut, kann man ja nach einem Hintertürl suchen. Asylpolitik ist kein Gnadenakt. Asylpolitik braucht Menschenwürde. Unabhängig vom süßen Gesicht.

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