"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die letzte juristische Schlacht um ein steirisches Kulturgut" (Von Günter Sagmeister)

Ausgabe vom 10.10.2007

Graz (OTS) - Eigentlich ist der GAK aus einem Streit heraus entstanden. Einige Mittelschüler wollten dem Akademischen Sportverein als Fußballer beitreten, was den Akademikern aber nicht passte. Es folgte ein Vergleichsspiel. Die Schüler siegten 4:1 und wurden aus Protest nicht aufgenommen. Also gründeten sie am 18. August 1902, dem Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I., einen Verein: den Grazer Athletik-Sport-Club, vorerst mit "C" und nicht mit "K" geschrieben.

Ob GAC oder GAK ist zur Zeit egal. Der Verein ist bankrott. Wieder einmal. Heruntergewirtschaftet. Letzte Notfallpläne werden geschmiedet, um den Traditionsverein nicht sofort beerdigen zu müssen. In einem Massengrab mit jenen Leichen, die bereits im GAK-Keller begraben sind.

Warum es den GAK erwischt hat und ob es einen oder mehrere Bösewichte gibt, bleibt im Dunkeln. Zu verstrickt ist die Lage, viele Unterlagen sind verschwunden, Akten fehlen. Weshalb am Rande der Generalversammlung am Montag Gerüchte gestreut wurden: Es soll Zahlungen an Privatpersonen gegeben haben. Kredite wurden umgeschrieben, um der persönlichen Haftung zu entkommen. Jeder deckt jeden und der Klub soll nur weitergeführt werden, damit die Wahrheit möglichst unter der Decke bleibt.

Schulden gehören zur Tradition des GAK. 1976 gab es das berühmte Bild, als Präsident Konrad Reinthaler durch Graz zog und bei Kaufleuten für den GAK bettelte. Harald Fischl hat in seiner ersten präsidialen Ära 15 Millionen Schilling an Kellerleichen gefunden, Rudi Roth soll ein Minus von vier Millionen Schilling von Peter Svetits geerbt haben. Aber das ist wenig im Vergleich zu Verbindlichkeiten der letzten Jahre: 5,7 Millionen Euro 2004, 4,5 Millionen 2005, 6,5 Millionen 2006. Die Präsidenten hießen in dieser Zeit Rudi Roth, Harald Sükar und Stephan Sticher.

Die Situation des GAK ist hausgemacht. Der Meistertitel war schön, aber zu teuer. Angesehene Finanz-Kapazunder konnten oder wollten im Fall des IMG-Vertrages die Zahlen nicht richtig lesen. Ein Kicker soll derzeit beim Regionalliga-Klub 90.000 Euro verdienen.

Jetzt folgt eine juristische Schlacht, weil der GAK mit zahllosen Klagen die finanzielle Basis für den Zwangsausgleich schaffen will. Nur wird das Jahre dauern. Juristen werden versuchen, das Insolvenzverfahren in die Länge zu ziehen, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Bis 6. Juni 2008, bis zur letzten Runde der Regionalliga-Saison. Dann gehen beim GAK die Lichter aus. Die Steiermark verliert ein Stück Kultur und Sturm für immer seinen Derby-Gegner. ****

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