"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Medizinischer Kunstfehler" (Von PETER NINDLER)

Andrea Kdolsky (VP) ist Ärztin, aber mit ihrer Gesundheitsreform musste sie selbst einen Arzt aufsuchen. - Ausgabe vom 9. Oktober 2007

Innsbruck (OTS) - Igendwie kommt man sich vor wie in einem schlechten Film. Da wird monatelang über eine Reform des Gesundheits-und Pflegesystems verhandelt, aber fünf vor zwölf alles wieder in Frage gestellt. Wobei sich Gesundheitsministerin Kdolsky wieder einmal besonders ausgezeichnet hat.

Zweifelsohne benötigte es Reformen in der Gesundheitspolitik, um das System auch weiter finanzieren zu können. Und natürlich fühlen sich Ärzte stets übergangen und missverstanden. Schließlich wächst der wirtschaftliche Druck auch unter Ärzten. Doch mit ambulanten Versorgungszentren eine weitere Behandlungsebene zwischen niedergelassenen Ärzten und den Spitälern einzuschieben, grenzt mittlerweile an Unvernunft.

Ambulanzen sind sicher notwendig, um die Krankenhäuser von den "leichten" medizinischen Fällen zu entlasten. Doch diese sollten in den Spitälern angesiedelt bleiben. Welchen Sinn hat es, die ambulante Versorgung auszugliedern, aber weiter öffentlich zu betreiben? Außerdem würde man damit nicht nur die Facharztpraxen schwächen, sondern auch die privaten Tageskliniken. Letztere sind eigentlich schon einen richtungsweisenden Weg mit viel Risiko gegangen. Aber öffentliche Ambulanzen sollten in öffentlichen Spitälern bleiben.

Überraschend kommt hingegen der Rückwärtssalto der VP-Länderpolitiker bei der 24-Stunden-Pflege. Obwohl es tatsächlich viele bürokratische Hindernisse gibt, eine einfache Regelung in dieser schwierigen Frage ist kaum möglich. Mühsam wurde der Kompromiss geschnürt, jetzt sollte man einmal abwarten, wie er sich in der Praxis bewährt.

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