Leitartikel: Neue Sturmböen im Lebensmittelhandel - von Arne Johannsen

Wer nicht zum Trio Spar, Rewe und Hofer gehört, ist praktisch chancenlos

Wien (OTS) - Noch haben sich die Wellen rund um den Einstieg der Rewe-Gruppe bei Adeg nicht beruhigt, da ziehen neue Sturmböen über Österreichs Lebensmittel-Einzelhandel auf. Der deutsche Handelskonzern Tengelmann sucht einen Käufer für seinen Lebensmitteldiskonter Plus, in Österreich mit den Zielpunkt-Märkten im Geschäft.

Was auch immer dabei herauskommt, klar ist: Die Konzentration im Lebensmittelhandel geht weiter. Und die ist schon jetzt gewaltig. Spar und die Rewe-Gruppe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) beherrschen schon jetzt 60 Prozent des Marktes; rechnet man noch den überaus erfolgreichen Diskonter Hofer dazu, landen von 100 Euro, die der Österreicher für Lebensmittel ausgibt, acht Euro in den Kassen dieses Trios. Wer da nicht dazugehört, ist praktisch chancenlos. Zielpunkt hat zuletzt Marktanteile verloren und einen Verlust von rund 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch Mitbewerber Adeg ist, nach Verlusten von 16 Millionen Euro, auf dem Rückzug.

Diese Entwicklung auf das ungleiche Duell "grosse Reiche gegen arme Kleine" zu reduzieren, ist allerdings zu einfach. Zwar schlagen günstige Einkaufskonditionen im Lebensmittelhandel unmittelbar auf das Ergebnis durch wie in kaum einer anderen Branche, doch Ideen und eine klare Positionierung braucht man halt auch. Während die Marktführer Rewe und Spar als Vorreiter die Themen Bio und Regionalität besetzten, wurde bei Zielpunkt überlegt, ob man die Märkte lieber in Plus umbenennt (wie es die deutsche Mutter gerne will). Und die Adeg und ihre Kaufleute diskutierten endlos, ob der Edeka-Schriftzug jetzt grösser oder kleiner, oben, unten oder seitwärts aufs Firmenschild kommt. So kann man sich auch selber aus dem Spiel nehmen.

Während Hofer und Lidl einen Markt nach dem anderen aufsperrten, schlingerte Zielpunkt zwischen "softem Harddiskonter" und "hartem Softdiskonter" hin und her. Die Kunden decken unterdessen ohnehin immer mehr ihres täglichen Bedarfs bei Anker oder McDonald’s, kaufen noch schnell beim Tankstellen-Shop ein oder lassen den Pizza-Boten anrollen.

Unterm Strich bleibt: Die Wettbewerbsbehörde wird dem zukünftigen Zielpunkt-Partner einige Auflagen erteilen, eine weitere Konzentration im Lebensmittelhandel aber nicht verhindern. Der Druck auf die Lieferanten wird also steigen. Die Produzenten können dem nur durch echte Markenpflege und/oder Internationalisierung entkommen. Wer das noch nicht erkannt hat, muss sich beeilen. Leichter wird es nicht.

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