SPÖ-Klubtagung (2) - Gusenbauer will Österreich als "Innovationsgesellschaft"

Bildung: Mehr Menschen zu höherer Bildung bringen

Villach (SK) - Das hohe Wohlstandsniveau in Österreich sei nur durch "qualitative Veränderungen" erreichbar; Österreich müsse von der "Anwendungsgesellschaft" der letzten 30 Jahre zu einer "Innovationsgesellschaft" werden. SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer skizzierte in seinem Referat bei der Tagung des SPÖ-Parlamentsklubs in Villach Montag Vormittag seine Vision von "Neue Wege für Österreichs Zukunft", dem Thema der Klubtagung. Konkret verdeutlichte Gusenbauer das u.a. am Thema Bildung. Ziel müsse sein, mehr Kinder zu höherer Bildung zu bringen. "Nur über ein höheres Bildungsniveau besteht die Chance für hochentwickelte Gesellschaften, international zu bestehen", so der Kanzler. ****

"Chancenorientierung, Leistungsorientierung, soziale Fairness" - das sind für Gusenbauer die drei Prinzipien der Innovationsgesellschaft, die sich durch alle Politikbereiche durchziehen müssen, wenn man das Hauptziel der Menschen erreichen wolle, nämlich eine Gesellschaft in Harmonie, in Balance zu entwickeln. Für die Bildungspolitik bedeute dies mehr Chancen für mehr Kinder; dort treffe sich der Anspruch einer leistungsorientierten Wirtschaft mit dem Anspruch des Einzelnen auf gute Ausbildung und mit den Interessen des Standorts Österreich.

Gusenbauer kritisierte in diesem Zusammenhang "überkommende Denkstrukturen", wonach soziale Integration leistungsfeindlich sei "und nur Elitenbildung und frühe Auslese uns weiterbringen". Wenn es mit drei, zehn, 15 und 18 Jahren Selektion im Bildungsbereich gebe, wenn die gesamte Bildungslaufbahn dadurch charakterisiert ist, dass man immer jemanden ausscheidet - "wird es nicht mehr Menschen mit höherer Bildung geben, sondern weniger". "Fördern und Fordern muss in Balance sein. Wir müssen Kinder so fördern, dass man von ihnen etwas fordern kann", so Gusenbauer. Ziel müsse u.a. sein, mehr Menschen zu Hochschulreife zu bringen, deshalb werde die Berufsmatura verwirklicht. Ausreichende Kinderbetreuungsplätze, ausreichende Deutschkenntnisse aller Kinder und genügend Zeit der Lehrkräfte für individuelle Zuwendung sind für Gusenbauer weitere Beispiele, "wie die künftigen Herausforderungen in konkrete Politik umgesetzt werden".

Gusenbauer sprach weiters von einem "engen Zusammenhang zwischen sozialer Fairness und Leistungsorientierung". Der Unterschied zwischen einer "reichen Gesellschaft" und einer "Wohlstandsgesellschaft" sei, dass es bei letzterer eine "breite Verteilung des Reichtums" gebe, damit "immer mehr Menschen am Innovationsprozess teilnehmen können". "Die Teilhabe an der neuen Innovationsgesellschaft definiert sich auch über die Teilnahme an ökonomischen Ressourcen". Deshalb sei es auch so wichtig, was auch Sozialminister Buchinger immer betone, Sozialpolitik "als Produktivkraft" zu sehen.

Die "Antagonismen der Gesellschaft" müssten in eine Einheit gebracht werden; es sei eine "Illusion" zu glauben, dass die Integration des Unterschiedlichen "durch Spaltung" möglich ist, dass man den Menschen Lebenssicherheit geben könne, wenn man Menschen ausgrenzt, dass man Wertschöpfung schafft, wenn man eine Gruppe in die Ecke drängt. Der sozialdemokratische Fortschrittsbegriff im Unterschied zum kalt-technokratischen bedeute, Chancen für mehr Menschen zu vergrößern, die Freiheit für mehr Menschen zu vergrößern und dafür auch die sozialen Rahmenbedingungen zu schaffen. (Schluss) ah

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