Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Zwischen Zahlen und Schicksalen (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 4. Oktober 2007

Klagenfurt (OTS) - So schizophren, wie die Asyldebatte derzeit in Österreich geführt wird, kann sie in keiner konstruktiven Veränderung münden. Auf der einen Seite werden die Betroffenen als reine Last, als ein Zuviel, behandelt, das man "loswerden", abschieben will. Und auf der anderen Seite stehen Einzelschicksale, die es in die Medien geschafft haben und deshalb nicht mehr nur als bloße Zahl abgetan werden können.
Was fehlt, ist die grundsätzliche Erkenntnis, dass der Zuzug von Immigranten auch eine menschliche, wirtschafts- und sozialpolitische Bereicherung sein kann - in einem Land wie Österreich, an dem die demografische Entwicklung nicht spurlos vorüberging. Daher kann es nur kontraproduktiv sein, auf gut integrierte Zuwanderer zu verzichten. Dem Bekenntnis dazu müssen klare Regelungen folgen -fernab des menschenunwürdigen Schwankens zwischen Bangen und Hoffen. Zugleich wird es immer wieder Fälle geben, die ein näheres Hinsehen erfordern. Wenn jetzt Teile der Regierung so tun, als würden diese das Gesetz konterkarieren, ist das letztklassig. Denn das Gesetz beinhaltet humanitäre Aufenthaltstitel. Nicht auszudenken, strebte man ein so rigides System an, in dem nicht einmal mehr dieser Raum für Menschlichkeit offengelassen wird.

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