Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Humanität und Migration

Wien (OTS) - Die Tatsache bleibt bestehen, auch wenn wir sie nachhaltig verdrängen: Asylgewährung wie Zuwanderung sind leider immer mit humanitären Härten verbunden. In jedem Einzelfall human sind sie nur unter einer Voraussetzung: wenn man die Grenzen komplett öffnet. Denn das Wohlstandsgefälle zwischen der EU und der Dritten Welt, zwischen Österreich und dem Kosovo ist zu groß, als dass sanfte Maßnahmen allein wirken würden.

Viele Österreicher sagen daher, man müsse die Zuwanderung bremsen. Diese war ja hier in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich größer als im Rest der EU. Ebenso ist aber auch eine Mehrheit in jedem konkreten Einzelfall für das Verbleiben von Zugewanderten, sofern er von Medien emotional genug dargestellt wird. Damit lügt man sich aber in den Sack: Denn jedes Verhalten, das in einem Einzelfall zum Erfolg führt, wird von vielen anderen Zuwanderungswilligen sofort nachgeahmt werden. Ein Staat, der sich einmal erpressen lässt, öffnet die Bahn für viele neue Erpressungen. Auch Selbstmorddrohungen sind eine Form der Erpressung, ob sie nun von durchfallgefährdeten Schülern oder abgewiesenen Liebhabern kommen.

Um diese Lose-Lose-Situation ist kein Entscheidungsträger zu beneiden. Vor allem dann nicht, wenn ringsherum so viele Heuchler agieren.

Etwa die Gemeinden und Bundesländer: Sie verlangen, dass sie das Entscheidungsrecht über abgewiesene Asylwerber bekommen. Obwohl es nur wenige Monate her ist, dass eben diese Gemeinden und Länder den Bund eiskalt anrennen ließen, als dieser um Plätze für Asylwerber bettelte.

Oder die Caritas: Sie klagt ständig, dass Asylverfahren so lange dauern (und verschweigt, dass es sehr oft die Asylwerber selber und bisweilen sogar ratgebende Caritas-Helfer sind, die zur Verzögerung beitragen); doch das hindert sie nicht, nun ein zusätzliches Verfahren zu fordern (wieder mit langem Instanzenzug), das eine weitere Verzögerung der Abschiebung abgewiesener Asylanten bedeutet. Oder Österreichs Massenmedien: Sie wollen selbst Politik machen. Wenn man schon die rhetorisch überaktive Frau Kdolsky nicht stürzen kann, so müsste doch zumindest der rhetorisch unteraktive Herr Platter zu knacken sein. Damit die Machtfrage im Lande ein für allemal geklärt ist.

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