"KURIER"-Kommentar von Andrea Hodoschek: "Markt und Moral"

Sollen westliche Unternehmen in Diktaturen investieren dürfen?

Wien (OTS) - Die USA bezeichnen ihn als letzten Diktator Europas und in der EU hat er Einreiseverbot. Alexander Lukaschenko ist ein Wahlbetrüger. Repressionen und Polizeiwillkür sind an der Tagesordnung. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das die Todesstrafe vollstreckt. Boris Nemsic muss sich daher zu Recht die Frage gefallen lassen, ob die Telekom Austria unbedingt in Weißrussland investieren muss.
Zuerst einmal: Die Telekom ist nicht das erste heimische Unternehmen, das in Weißrussland einsteigt. Raiffeisen International und die Wiener Städtische zum Beispiel waren schon vorher dort. Wenn über Investments in Staaten diskutiert wird, die keine Demokratien westlichen Verständnisses sind, dann muss auch über Russland, China und den gesamten arabischen Raum diskutiert werden. Diesen Ländern rennen die westlichen Unternehmen seit Jahren die Türen ein, dort wird Big Business gemacht. Die Wirtschaft ist immer schneller als die Demokratie.
Die Unternehmen verteidigen sich gerne mit dem Hinweis, tun wir’s nicht, macht’s die Konkurrenz.
Das Argument stimmt ökonomisch, aber mit der Moral wird’s schon etwas schwieriger.
Die Wirtschaft soll auch in Diktaturen investieren dürfen. Unternehmen aus dem Westen bringen Geld ins Land, schaffen Arbeitsplätze und verbessern damit den Lebensstandard. Was die Hoffnung auf Demokratisierung nur verbessern kann. Sanktionen und Embargos schaden niemandem mehr als der Bevölkerung des betroffenen Landes.

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