SPÖ-Klubobmann Cap will sich für runden Tisch stark machen

Wien (SK) - "Wir wollen eine fundamentale Umkehr in der Film- und Medienpolitik. Der Umgang mit dem heimischen Film ist auch eine Frage nach der geistigen Identität für unser Land", betonte Josef Kirchberger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik, am Dienstagabend im Rahmen der Veranstaltung mit dem Titel. 'Die österreichische Filmwirtschaft und der ORF'. In der anschließenden Diskussion meldete sich der SPÖ-Klubobmann Josef Cap zu Wort. Er zeigte sich von der angesprochenen Idee eines runden Tisches zum Thema Film begeistert und versprach, sich mit aller Vehemenz dafür einzusetzen. "Wenn wir auf den österreichischen Film stolz sein wollen und wenn man Film liebt, dann müssen wir diesen Weg gehen", bemerkte Cap. ****

Kirchberger moderierte die kontroversielle Diskussion, mit ihm am Podium Schauspieler Harald Krassnitzer, August Reschreiter, Referent für Medien der Bundesministerin Bures im Bundeskanzleramt, Wolfgang Lorenz, Programmdirektor des ORF und die Produzenten Kurt Stocker und Eva Testor. Alle Diskutanten waren sich einig, dass es dringend Verbesserungen hinsichtlich der Förderung des österreichischen Films bedürfe.

August Reschreiter legte in seinem Diskussionsbeitrag die Zahlen zur österreichischen Filmwirtschaft dar. 2005 seien 193 Millionen Euro und 2006 188 Millionen Euro für die Produktion von Filmen ausgegeben worden. Der größte Nachfrager sei der ORF, er gebe immerhin 64 Prozent der Filme in Auftrag. "Wir haben in Österreich eine große Anzahl an Förderinstitutionen, die kumulativ wirken", erläuterte Rechreiter weiter. So würden in Österreich rund 40 Millionen Euro an Direktförderungen von Gebietskörperschaften und aus dem ORF-Film/Fernseh-Abkommen fließen. Nicht unterschätzen dürfe man auch die wirtschaftliche Bedeutung des Filmsektors, rund 1,900 Unternehmen seien in der Filmwirtschaft aktiv.

Krassnitzer betonte, dass die von Reschreiter angesprochenen Zahlen zwar "imposant" seien, allerdings müsse man sich eingestehen, dass man im europäischen Vergleich trotz allem nur von einem "Kindergeburtstag" sprechen könne, Österreich sei europaweit im letzten Drittel was die Filmförderung betrifft. Vor allem aus dem Topf der Rundfunk- und Telekom Regulierungs GmbH wurde von Krassnitzer kritisiert. Hier werde lediglich Geld verwaltet, was dem ORF vorher weggenommen wurde. "Wir wollen endlich, dass die Filmförderung die wichtigste Prämisse der Regierung wird und Filmförderung verdoppelt", so Krassnitzer. "Wir sollen uns politisch endlich dazu bekennen, dass Film wichtig ist und wir einen starken österreichischen Filmstandort wollen", betonte der Schauspieler weiter. Er forderte einen "ergebnisorientierten" runden Tisch, an dem endlich alle Beteiligten, wie Filmschaffende, Förderinstitutionen und ORF die Probleme besprechen können.

Zum Thema Fernsehen meinte Krassnitzer, dass in Österreich ein "Rumgeeiere" um die Begrifflichkeit "öffentlich-rechtlich" gebe. Da sich der ORF auch zum Teil aus Werbeeinnahmen finanzieren, müsse er nach Quoten und Marktanteilen schielen, dies führe dazu, dass amerikanische Serien zunehmend zum "Aushängeschild" des ORF würden. Insgesamt, so Krassnitzer, sei der ORF ein "Zwitterwesen" zwischen privat und öffentlich-rechtlich.

Auch Produzent Stocker kritisierte das "international zusammengekaufte Lifestyle-Hybrid-Programm" des ORF, mit dem man versuche, die werberelevante Zielgruppe anzusprechen. Im Gegenzug dazu sei die Tendenz bezüglich Ausgaben für fiktionale und dokumentarische Produktion fallend. Zu bedenken müsse man jedoch geben, dass der ORF nur 62 Prozent der Gebühren erhalte, der Rest würde zwischen Bund und Ländern aufgeteilt. Wenn der ORF sparen müsse, dann sei die Filmwirtschaft "ein leichter Gegner", so Stocker, denn wenn man beim Personal spare, müsse man sich mit den Betriebsräten auseinandersetzen und wenn man bei den Landesstudios einspare habe man die Landeshauptleute gegen sich.

"Der österreichische Film existiert nicht wirklich", bemerkte Produzentin Testor. Sie kritisierte, dass der ORF zu wenig beitrage, um die österreichische Filmwirtschaft zu fördern. So würden beispielsweise Trailer von Filmen zu Zeiten gespielt, wo die das Publikum kaum wahrnehmen würde.

Wolfgang Lorenz betonte, dass er die Filmwirtschaft nicht als Feind sehe, sondern als Verbündeten, man müsse endlich die Politik dazu bringen, mehr für den Bereich Film zu tun. Die Filmwirtschaft verlange vom ORF etwas, was dieser nicht im Stande sei zu leisten. "Natürlich wollen wir auch mehr produzieren, aber bitte sagen sie uns wie", so Lorenz. Der ORF gebe pro Jahr 100 Millionen für die Filmwirtschaft aus, "mehr haben wir schlichtweg nicht". Der ORF sei sich der Wichtigkeit von heimischen Produktionen durchaus bewusst, denn nur so könne die Unverwechselbarkeit des ORF-Programmes gewährleistet sein. (Schluss) sw

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