Am Wochenende: Wiener Frauengesundheitstage "fem vital 2007"

Wehsely/Frauenberger: Schwerpunkt "Soziale Gerechtigkeit und Gesundheit" im Jahr der Chancengleichheit

Wien (OTS) - Bereits zum achten Mal finden am kommenden Wochenende (6. und 7. Oktober) im Rathaus die Wiener Frauengesundheitstage "fem vital" statt. Im heurigen Europäischen Jahr der Chancengleichheit werden im Veranstaltungsprogramm Schwerpunkte zum Thema "Soziale Gerechtigkeit und Gesundheit" gesetzt. "Dass Gesundheit und Krankheit nicht geschlechtsneutral sind, ist mittlerweile allgemein anerkannt", betonte Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely am Mittwoch in einer Pressekonferenz, bei der sie gemeinsam mit Frauen-und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger und der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger das Programm der Wiener Frauengesundheitstage 2007 präsentierte. "Dass Jahr der Chancengleichheit ist eine gute Gelegenheit verstärkt darauf hinzuweisen, dass Gesundheit auch eine soziale Dimension hat. Armut macht krank", so Wehsely.

Eine Einschätzung, die vielfach belegt ist. Beim kürzlich in Wien abgehaltenen Europäischen KardiologInnenkongress zeigten schottische ForscherInnen den Zusammenhang besonders deutlich auf. Wer unter sozial benachteiligten Bedingungen lebt, dessen Herz-Kreislaufrisiko erhöht sich gegenüber der Durchschnittsbevölkerung in gleichem Ausmaß wie das von DiabetikerInnen. Kein Wunder, dass sich auch in der Bundeshauptstadt die Lebenserwartung nach Bezirken um bis zu sechs Jahre unterscheidet. Das Problem spiegelt sich auch in der Inanspruchnahme der Gesundenuntersuchung wider, wie der Wiener Gesundheits- und Sozialsurvey zeigt. 37,2 Prozent der in Wien lebenden Frauen, die ihre finanzielle Lage als "sehr gut" einschätzen, gehen zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung, aber nur 22,1 Prozent derer mit einer "sehr knappen" finanziellen Situation.

Hohe Gesundheitsbelastungen für Migrantinnen

"An Fragen des Gesundheitsstatus wird besonders deutlich, wie eng Gesundheits-, Sozial-, Frauen-, und Integrationspolitik miteinander verknüpft sind", sagte Frauen- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. "Alle einschlägigen Untersuchungen zeigen ein besonders hohes Armutsrisiko für Alleinerzieherinnen, Rentnerinnen und Migrantinnen. Und sie alle haben wiederum ein hohes gesundheitliches Risiko."

Frauen mit Migrationshintergrund sind von diesen Belastungen in besonderem Maß betroffen, wie Vergleichsstudien zur Gesundheitssituation von österreichischen Frauen und Migrantinnen zeigen. So leiden zum Beispiel knapp 33 Prozent der in Österreich geborenen Frauen an wiederkehrenden Kopfschmerzen, aber 44 Prozent der Frauen mit türkischem Migrationshintergrund. 14 Prozent der Österreicherinnen klagen über Magenprobleme, aber mehr als ein Viertel der türkischsprachigen Frauen. Migrantinnen weisen auch einen höheren Medikamentenkonsum auf, vor allem bei Schmerzmitteln und Psychopharmaka, und müssen öfter stationär aufgenommen werden.

"Um diese Frauen ganz gezielt zu unterstützen, haben wir in Wien ein vorbildlich dichtes Netz an Gesundheitsangeboten, das weit über jenes in anderen Bundesländern hinausgeht", so Wehsely. "Wir tragen den Bedürfnissen von Migrantinnen durch zahlreiche muttersprachliche Beratungs- und Betreuungsangebote im Gesundheitsbereich Rechnung." Dies sei wichtig, um Barrieren zu beseitigen, sagte Stadträtin Frauenberger: "Angebote für Migrantinnen und andere sozial benachteiligte Gruppen im Gesundheitsbereich müssen niederschwellig zugänglich sein."

Dichtes Netz an muttersprachlichen Angeboten

Mit zahlreichen Initiativen wird die Stadt Wien diesem Anspruch gerecht: So hat das Wiener Programm für Frauengesundheit mit dem Projekt "Nach Herzenslust" ein Angebot zur Herzgesundheit speziell für benachteiligte Frauen entwickelt. Das sehr erfolgreiche interkulturelle Programm beinhaltete eine breit angelegte Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne im 10. Wiener Gemeindebezirk, wie etwa Aktionstage in Supermärkten oder Bewegungsgruppen, Ernährungsvorträge und Kochworkshops. Es wurde im August abgeschlossen, der Migrantinnenanteil in den Kursen betrug 60 Prozent. "Im Jänner startet ein ähnliches Folgeprojekt, das sich vor allem auf Frauen und Adipositas konzentriert", kündigte die Gesundheitsstadträtin an.

Im Rahmen des Frauengesundheitszentrums "FEM Süd" im Kaiser-Franz-Josef-Spital wurde eine Gesundheitsberatungsstelle eingerichtet, die speziell auf die Bedürfnisse von Migrantinnen eingeht. Mit FEM-Süd wurde dafür ein Standort gewählt, der sowohl hinsichtlich seiner psychologisch-medizinischen als auch interkulturellen Kompetenz über ein Höchstmaß an Anerkennung verfügt.

Zum Thema Brustkrebs bietet das Wiener Frauengesundheitsprogramm einerseits spezielle muttersprachliche Informationsveranstaltungen und -folder für Migrantinnen. Das Wiener Pilotprojekt Mammographiescreening "Ich schau auf mich" wird gemeinsam mit der WGKK in den Bezirken 15, 16 und 17 durchgeführt, um gerade in Gebieten mit mehrheitlich sozial benachteiligter Wohnbevölkerung die Untersuchungsquote zu erhöhen, aber auch die Untersuchungsqualität zu optimieren. Alle Angebote in diesem Programm - Einladungsbriefe, Informationsmaterial und die Telefon-Hotline für Informationen und Terminvereinbarungen - gibt es auf Deutsch, Englisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch.

Im Rahmen des Projekts "Ich bleib gesund - Saglikli kalacagim" wird türkischsprachigen PatientInnen muttersprachliche Unterstützung bei der Gesundenuntersuchung geboten. "Wie wichtig diese Initiative ist, zeigt eine Zwischenauswertung", zog Stadträtin Wehsely eine erste Bilanz. "73 Prozent der Teilnehmerinnen sind übergewichtig, 41 Prozent von ihnen sogar adipös und 41 Prozent der untersuchten Frauen hatten überhöhte Cholesterinwerte."

Das Projekt "Gewusst wie - informiert gesünder leben" bietet seit vergangenem Jahr muttersprachliche Vorträge zu Gesundheitsvorsorge und Prävention für Migrantinnen an - in Kirchen, Moscheen, Vereinen, Volkshochschulen, Jugendzentren oder Bezirksämtern. Wehsely: "Allein 2006 wurden bei 130 Vorträgen in 10 Sprachen insgesamt 3.500 Teilnehmerinnen erreicht." Heuer werden im Auftrag der MA 17 weitere 300 Gesundheitsvorträge durchgeführt.

Unabhängigkeit unterstützen

Die Frage der Migrantinnen-Gesundheit habe nicht nur mit dem Gesundheitssystem im engeren Sinn zu tun, betonte Frauen- und Integrationstadträtin Frauenberger: "Eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Migrantinnen gesund und mit weniger psychosozialen Belastungen leben ist, dass sie ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen können." Die aufenthaltsrechtliche Abhängigkeit von ihren Ehemännern, mit der viele Migrantinnen leben müssen, sollte beendet und im Fremdenrecht ein eigenständigen Aufenthaltstitel für Frauen geschaffen werden, forderte Frauenberger. Mit dem Programm "Mama lernt Deutsch" setzt die Wiener Integrationsstadträtin gezielt auf den Spracherwerb von Müttern:
"Hier geht es aber nicht nur um die reine Sprachvermittlung, sondern auch um Empowerment für Migrantinnen in Richtung Unabhängigkeit und Selbstständigkeit."

"fem vital 2007" im Zeichen der Chancengleichheit

Auch das Programm der diesjährigen Wiener Frauengesundheitstage steht ganz im Zeichen des Jahres der Chancengleichheit. "Unser Credo ist es, Frauengesundheit nicht allein aus medizinischem Blickwinkel zu sehen, sondern auch die Lebenssituation der Wienerinnen zu berücksichtigen. Auch Frauen mit Barrieren wie fehlende Sprachkenntnisse, Behinderung oder Armut sollen gleichen Zugang zu gesundheitsspezifischen Informationen und zum Gesundheitssystem haben. Chancengleichheit ist daher das Motto, dass sich dieses Jahr im "fem vital"-Programm widerspiegelt," betonte die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. Zur Frage des gleichberechtigten Zugangs zu Gesundheitseinrichtungen etwa wird unter dem Motto Gesundheit und Gerechtigkeit eine hochkarätige Diskussionrunde Gesundheitsbarrieren wie Geschlecht, Behinderung oder Migration diskutieren.

Das bereits in den vergangenen Jahren angebotene spezielle Programm für Migrantinnen wird heuer deutlich ausgeweitet, erstmals werden Vorträge zu aktuellen Gesundheitsthemen in Kooperation mit der MA 17 in sieben Sprachen angeboten (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch Chinesisch, Punjabi). Auch Schnupper-Kurse wird es wieder geben: Besucherinnen können sich zum Beispiel auf kostenlose Pilates-, Trommel-, Bauchtanz-, Street Dance-, Selbstverteidigungs-, Salsa- oder Flamenco-Kurse freuen.

Wimmer-Puchinger kündigte auch brisante aktuelle Debatten an:
"Gesprächsrunden beschäftigen sich mit Themen wie dem oft fragwürdigen Nutzen der Schönheitschirurgie oder den Versprechungen der Fertilitätsmedizin". Auch Show und Unterhaltung kommen nicht zu kurz: Sandra Pires und der Gitarrenvirtuose Mario Berger werden bei ihrem Auftritt mediterranes Flair verbreiten, Fatima Spar und die Freedom Fries sorgen für heiße Rhythmen. Durch das Programm führen Claudia Stöckl und Elisabeth Vogel."Wir freuen uns, wenn auch heuer wieder möglichst viele Wienerinnen diese Gelegenheit nutzen, von einem hochwertigen Beratungs- und Informationsprogramm und der Möglichkeit zu individuellen Gesundheits-Checks zu profitieren", so die Wiener Frauengesundheitssbeauftragte.

o Bitte merken Sie vor: fem vital 2007 - Wiener Frauengesundheitstage: Rathaus, Eingang Lichtenfelsgasse Samstag, 6. und Sonntag, 7. Oktober 2007, jeweils von 11 bis 18 Uhr Eintritt frei! www.femvital.at Fotos der Pressekonferenz sind online: http://moritz.wustinger.com/b&K

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