Kinder unter Druck: Erstmalig gemeinsame Studie deutschsprachiger Länder

"Zahlen für Österreich alarmierend": Jugendrotkreuz fordert von der Politik eine stärkere Beachtung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Schule und Gesellschaft

Wien (Jugenrotkreuz) - Die Jugendrotkreuzgesellschaften aus Deutschland, Schweiz, Luxemburg und Österreich haben gemeinsam eine Studie zur Jugendsituation in Auftrag gegeben. Diese so genannte "Delphi-Studie" soll Basis für eine zweijährige Kampagne unter dem Titel "Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck" werden.

Alarmierende Zahlen
"Die Ergebnisse für Österreich sind zutiefst bedrückend und alarmierend", sagt Karl Zarhuber, Generalsekretär des Österreichischen Jugendrotkreuzes (ÖJRK). "52 Prozent der Kinder und Jugendlichen - wir sprechen hier von 6 bis 14jährigen! - fürchten sich vor einem Sittlichkeitsverbrechen, 59 Prozent fürchten sich davor, dass einem Familienmitglied etwas zustößt. 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben große Angst vor der Zukunft und 48 Prozent vor schwerer Krankheit oder dem Sterben", zitiert Zarhuber die Studie.

Besonders signifikant ist das Ergebnis, dass 52 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind, dass Jugendliche sich selbst in der sich ständig verändernden Welt orientieren müssen und die Herausforderungen bewältigen müssen. "Zugleich sind genau diese 52 Prozent der Erwachsenen davon überzeugt, dass die Jugend damit überfordert ist", sagt der Generalsekretär.

Druckpunkte
71 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass Aussehen in Zukunft wichtiger sein wird als Charakter. 75 Prozent geben an, dass der größte Druck in ihrem Leben durch die Schule entsteht. 73 Prozent sagen, dass die hohe Erwartungshaltung der Eltern sie massiv unter Druck setzt. "Wird der Druck zu groß, können Jugendliche mit Aggression, Depression oder Rückzug vor der Außenwelt reagieren. Diese Phänomene können in Form von Koma-Trinken, Magersucht oder gewalttätige Auseinandersetzungen täglich beobachtet werden", so Zarhuber.

Dringender Handlungsbedarf
Das Österreichische Jugendrotkreuz sieht aufgrund dieser alarmierenden Zahlen akuten Handlungsbedarf. "Wir verstehen uns ja als Anwalt der Kinder und Jugendlichen, daher werden wir diese Studie bei einer Bundeskonferenz vom 3. bis 5. Oktober in Pichl bei Schladming im Detail analysieren und einen ersten Maßnahmenkatalog entwickeln. Aber eines kristallisiert sich schon jetzt heraus: Wir brauchen grundlegende Änderungen im Schul- und Gesellschaftsbereich. Und die müssen zum großen Teil von den politisch Verantwortlichen realisiert werden. Es muss rasch was geschehen, denn abstrakt formulierte Gesellschaftswerte haben wir schon zur Genüge", so abschließend der Generalsekretär des Jugendrotkreuzes.
Das ÖJRK möchte Anfang Dezember in Wien dringend benötigte Maßnahmen und Forderungen im Rahmen einer Enquete mit Experten, politisch Verantwortlichen, sowie betroffenen Jugendlichen diskutieren.

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