WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreichs Banken im Subprime-Glück? Von Angelika Kramer

Die Institute dürften mit einem blauen Auge davonkommen

Wien (OTS) - War die Subprime-Krise zu Beginn nur ein US-Phänomen, das man hierzulande aus der ersten Reihe fussfrei entspannt beobachten konnte, so erfolgen die Einschläge nun täglich etwas näher an den Landesgrenzen. Gestern musste Europas grösste Bank, die Schweizer UBS, ihre Niederlage in Form einer Gewinnwarnung eingestehen. Das US-Hypothekendesaster wird den Schweizern den ersten Quartalsverlust seit neun Jahren bescheren, mehr als 2,41 Milliarden Euro müssen abgeschrieben werden. Auch die zweitgrösste Schweizer Bank, die Credit Suisse, musste gestern zähneknirschend einen Rückgang bei den Gewinnen in der Grössenordnung von 50 Prozent eingestehen.

Inzwischen ist also bekannt, dass es - abgesehen von den USA natürlich - auch in England, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz Subprime-Opfer zu beklagen gibt. Da ist man doch froh, dass man sich als Österreicher auf einer Insel der Seligen befindet. "Wir sind von der US-Krise nicht betroffen", tönt es aus den Vorstandsetagen vieler österreichischer Banken. Lediglich einige wenige Milliönchen könnten in Gefahr sein, aber der grosse Sturm zieht an Österreich vorbei, hört man. Aber ist das wirklich so, kann man den Beteuerungen unserer Banker glauben?

Dazu ist zu sagen, dass das Ausmass des Gesamtschadens bei den heimischen Instituten wahrscheinlich noch nicht bekannt ist - auf die Quartalszahlen von BA-CA und Erste Bank etwa müssen die Anleger noch warten. Wie stark der Handelsumsatz in der Folge der Subprime-Krise gelitten hat, lässt sich sicher auch noch nicht beziffern.

Wahrscheinlich ist aber, dass Österreich tatsächlich diesmal mit einem blauen Auge davonkommen dürfte. Das liegt wohl weniger an der Cleverness unserer Banker, sondern an den Geschäftsfeldern der heimischen Häuser: Gerade beim Investmentbanking und im Hypothekargeschäft haben "wir" weltweit nicht gerade die Nase vorn. Eine Schwäche, die sich jetzt als Stärke herausstellen könnte. Auch das Engagement der Österreicher in Osteuropa macht sich einmal mehr bezahlt: Nach jetzigem Stand der Dinge schrammt Osteuropa weitgehend ungeschoren an der Subprime-Krise vorbei.

Entspannt zurücklehnen sollte man sich aber bei den heimischen Bankwerten noch nicht: Die Zahlen des dritten Quartals werden sicher noch spannend, auch wenn das grösste Desaster diesmal ausbleiben dürfte. Bis dahin kann man sich ja an den Geschehnissen in der Meinl Bank täglich aufs Neue aufreiben.

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