WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1.10.2007: Für Josef Pröll geht's heute um alles oder nichts - von Peter Muzik

Für den Chefreformer steht viel am Spiel

Wien (OTS) - Wenn sich Lebensminister Josef Pröll heute abend -aufgrund eines Sehnenrisses auf Krücken - in den VIP-Club des Wiener ErnstHappel-Stadions schleppt, wird dort ein ganz wichtiges Match entschieden: Es geht primär darum, ob die einjährige Nachdenkphase der Schwarzen, die sich unter dem Schlagwort "Perspektiven 2010" auf die Zukunft vorbereiten wollten, auch wirklich etwas Neues gebracht hat. Und ob sich die ÖVP fortan - so wie gewünscht - als "moderne, konservative Volkspartei" präsentieren kann.

Ein erlauchtes Gremium aus vielen Partei-Granden und -Hoffnungen, die auf 16 Arbeitsgruppen aufgeteilt waren, hat sich exakt ein Jahr lang unter Prölls Regie die Köpfe zerbrochen, wie ihre Partei zu Begriffen wie Heimat, Globalisierung, Sicherheit oder Erziehung stehen soll. Was die Volkspartei zu Themen wie Leistung, Wettbewerb, Innovation oder Integration zu sagen hat. Und welche Vorstellungen die zweitstärkste Regierungspartei zu Schlagworten wie Wirtschaft, Ausbildung, Chancen oder Generationen anzubieten hat.

Die nach der Wahlniederlage sichtlich geschockte ÖVP hat beim Versuch, sich auf die Zukunft einzustellen und die hiefür erforderlichen Strategien zu entwickeln, mehr als hundert Veranstaltungen absolviert, immerhin 10.000 Diskussionsteilnehmer aktiviert und im Internet rund eine Million Zugriffe registriert. Heute schlägt für die Volkspartei, die ja wieder Nummer eins werden will, die Stunde der Wahrheit:

Kann der wirkungsvoll inszenierte Reformprozess letztlich das halten, was man sich von ihm erhofft hat? Wird er die bisweilen etwas ratlos agierende Partei wirklich moderner, kreativer und effizienter machen? Wird es beispielsweise für die Schuldiskussion, den Bereich Gesundheit, die Zuwanderungspolitik oder den Arbeitsmarkt tatsächlich neue Ansätze bzw. klare Konzepte geben - oder bleibt es lediglich bei diffusen, inhaltslosen Wortschlangen, die so entbehrlich sind wie so manche Wortmeldung, die schon aus den Perspektivengruppen an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Der heutige Abend wird jedenfalls auch eine Vorentscheidung über die weitere Karriere von Josef Pröll bringen: Wenn das, was er und seine Mitstreiter heute abliefern, überzeugend ist, wird man ihn - auch wenn Molterer neuerdings Kanzler werden will - als kommenden Parteiobmann kaum mehr übergehen können. Sofern sich die erhoffte VP-Reform jedoch als Schlag ins Wasser entpuppt, wird der ambitionierte Jung-Minister ziemlich alt ausschauen - und das Match um den Topjob endgültig verlieren.

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