Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Frust als Chance (von Claudia Grabner)

Ausgabe 30. September 2007

Klagenfurt (OTS) - Reich wären sie - jene Waghalsigen, die heute vor einem Jahr auf einen Kanzler Alfred Gusenbauer gewettet hätten. Es kam bekanntlich anders, als Umfragen erahnen ließen und Politologen prognostizierten. Selbst jetzt, ein Jahr nach dem überraschenden Votum, ist wieder alles anders: Die aus den unergründlichen Tiefen der Wählerschaft zwangsgeborene Koalition hat sich noch weniger zu sagen, als Pessimisten immer schon gewusst haben wollten. Kaum ein Paarlauf. Viele Einzelgänge. Statt tragbarer Kompromisse ideologische Grabenkämpfe. Kommunikative Überziehung (wie´s Experten nennen), wo Besinnung nötig wäre.
Und doch: Schlagartig könnte jene Regierungspartei das Ruder herumreißen, in der Gunst der Wähler in ungeahnte Sphären steigen, die sich am geschicktesten der Schlüsselfrage stellt:
Einkommensverteilung. Es brodelt in der Bevölkerung. Hochkonjunktur. Doch niemand merkt´s. Explodierende Preise. Abgaben-Lawinen. Wirtschaft und Staat fressen das Realeinkommen auf. Ein aufgelegter Elfmeter für die Kanzlerpartei. Möchte man meinen. Der Ball könnte ins Netz gehen - wenn die SPÖ in dieser Frage waghalsig für ihre Klientel, die Arbeitnehmer, Politik machen würde. Ohne Kompromisse. Verpflichtet nicht dem Koalitionsgegenüber; nur ihrer Wählerschaft.

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