"Kleine Zeitung" Kommentar: "Prinz Eugen, Kruzitürken und osmanische Fetzenschädel" (von Thomas Götz)

Ausgabe vom 29.09.2007

Graz (OTS) - Eine Woche lang haben wir den Islam in Österreich dargestellt. Wir haben mit Muslimen gesprochen, die hier ihren Glauben zu leben versuchen, trotz allem.

Die Konfrontation mit anderen Religionen fällt uns schwer. Protestanten sind eine kleine Minderheit im Land. Über Jahrhunderte hat sich ein friedliches Nebeneinander entwickelt. Selbstverständlich war es nie. Es gab Vertreibung und Tote, ehe die stärkere Kirche Duldsamkeit lernte.

Nun steht eine viel schwierigere Aufgabe bevor. Der Islam ist in der Geschichte Österreichs nur als kriegerischer Gegner in Erinnerung. Kinder singen von Prinz Eugen, dem edlen Ritter. Vor dessen Standbild lassen sich rechte Recken gerne fotografieren. Fetzenschädel ist bis heute ein Schimpfwort, das auf die gewickelten Kopfbedeckungen der Osmanen anspielt. Und der Fluch "Kruzitürken" kann seine polemische Stoßrichtung auch nicht verleugnen.

Die Klosterkirche von St. Lambrecht im steirisch-kärtnerischen Grenzgebiet besitzt eine Weihnachtskrippe, die viel sagt über unser Verhältnis zum Islam. Die Geburt Jesu findet in Knittelfeld statt. Aus dem Bürgermeisteramt blicken finstre Türken mit Turban. Bis Knittelfeld sind sie damals gekommen, St. Lambrecht blieb von der Invasion verschont. Bis heute läutet das Kloster täglich zur selben Zeit die Glocken, zur Erinnerung an den Moment des Rückzugs der Osmanen.

Heute leben viele von ihnen unter uns. 400.000 Muslime schätzt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich. Die meisten sind Türken, die zweitgrößte Gruppe Bosnier. Fast hunderttausend Muslime haben die österreichische Staatsbürgerschaft.

Das Thema wird uns also begleiten. Wir müssen uns entscheiden, wie wir mit der neuen Religion umgehen wollen. Ein paar Dinge sollten klar sein.

Das Thema darf nicht den Rechten überlassen bleiben. Die sind nicht an der Sache interessiert, sondern am Konflikt. Er bringt ihnen Zulauf, ohne sie zur Lösung zu verpflichten. Die müssen andere suchen.

Integration ist nicht nur eine Verpflichtung der Muslime, sie muss auch ermöglicht werden. Der Telfer Bürgermeister Helmut Kopp hat es vorgemacht. "Ich will keine Ghettos", sagte er und sorgte für die richtige Mischung in Gemeindebauten.

Moscheen zu bauen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dass Kirchen in vielen muslimischen Ländern nicht gebaut werden dürfen, ist kein Gegenargument. Wir müssen uns an unseren Vorstellungen und Gesetzen orientieren, nicht an jenen orientalischer Despotien. ****

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