"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Stoibers Erbe ist völlig offen" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 29. September 2007

Innsbruck (OTS) - Mit Edmund Stoiber verlässt ein ganz Großer das deutsche Politparkett. Der direkt an der Tiroler Grenze aufgewachsene Ministerpräsident prägte den Freistaat nach dem Motto "Laptop und Lederhosen" wie kaum ein anderer zuvor. Bayern zählt weltweit zu den prosperierendsten Regionen. Der ganze große Sprung blieb Stoiber allerdings verwehrt. Um 9000 Stimmen war er 2002 Gerhard Schröder im Kampf um das Amt des deutschen Bundeskanzlers unterlegen.Den überraschenden Verzicht auf den Job als Superminister in der Regierung von Angela Merkel haben ihm 2005 weder die Bayern noch seine Partei CSU verziehen. Es folgte ein parteiinterner Flächenbrand, den er nicht mehr unter Kontrolle brachte. Noch bitterer ist für Stoiber, dass er es verabsäumt hat, seine Thronfolge zu regeln. Wenn Günther Beckstein jetzt mit 63 Ministerpräsident wird und, wie allgemein erwartet, Erwin Huber mit 61 CSU-Parteichef, kann es sich nur um eine Übergangsregelung handeln. Sie haben wohl nur die Aufgabe, die Landtagswahl im Herbst 2008 halbwegs positiv über die Runden zu bringen. Denn Stoiber legte 2003 mit über 60 Prozent die Latte unerreichbar hoch.Kein Wunder, dass Fraktionschef Joachim Hermann (50) und Kultusminister Siegfried Schneider (51) schon in den Startlöchern scharren. Auch Generalsekretär Markus Söder (40) gilt als Talent mit Ambitionen für die Ära nach Beckstein/Huber. Diese Situation sollte der Tiroler ÖVP eine Warnung sein. Denn auch Herwig van Staa ist der Meinung, dass niemand außer ihm selbst auch nur annähernd in der Lage ist, Tirol zu führen.

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