Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Bitte um Schmerzensgeld

Wien (OTS) - Als Beobachter der heimischen Innenpolitik hat man tagtäglich den starken Drang, laute Schmerzensschreie auszustoßen. Zu arg sind die Unsinnigkeiten und verlogenen Widersprüche in der Politik.

Beispiel 1: Die ÖVP Niederösterreich ruft den "Tag der gebrochenen SPÖ-Wahlversprechen" aus. Warum bitte? Sollte die ÖVP nicht vielmehr darüber jubilieren, dass die SPÖ ihre von der ÖVP als leichtfertig und nationale Interessen verletzend getadelten Versprechen ("keine Abfangjäger", "keine Studiengebühren") nicht umsetzen konnte?

Beispiel 2, OMV/MOL: Wie will der Wirtschaftsminister Ungarn eine "Fusion unter Gleichen" glaubhaft machen, wenn Österreich auch nach der Fusion das bestimmende Aktienpaket halten soll?

Beispiel 3: Die SPÖ, die sich bisweilen als gesellschaftspolitisch liberal zu verkaufen sucht (wirtschaftspolitisch ist sie es ja auf keinen Fall), fordert neuerdings immer öfter, noch mehr Menschen zu bestrafen oder gar einzusperren: von den Rauchern bis zu den Alkolenkern. Wohl primär des billigen Auftritts in den Medien willen:
Denn im wirklichen Leben kontrolliert niemand die Einhaltung vorhandener Verbote: etwa das Handyverbot für Autofahrer oder die Leinenpflicht bei Hunden.

Beispiel 4, ORF: Dessen Generaldirektor wagt es, die katastrophalen Pannen beim digitalen Satellitenempfang den "individuellen Satelliten-Anlagen" anzulasten. Obwohl die Pannen nur bei ORF-Programmen auftreten, und obwohl sie ausschließlich mit technischen Fehlentscheidungen des ORF (unter dessen vorvorletztem Chef) zusammenhängen!

Beispiel 5, Publizistikstudium: Die Hochschülerschaft kämpft mit dem lediglich durch Statistiken untermauerten Argument "Wir brauchen mehr Akademiker" dafür, dass jährlich Tausende junge Menschen in die Falle Publizistikstudium stürzen sollen. Obwohl dieses so schlecht wie unbrauchbar für den Arbeitsmarkt ist.
Beispiel 6, Gesamtschule: Eine Studie belegt, dass die 15-Jährigen wissensmäßig um ganze sechs (in Ziffern: 6) Schuljahre auseinanderliegen. Dennoch fordern Rot-Grün die zwangsweise Gesamtschule für alle: Was die schnellen Schüler um Jahre zurückwerfen würde - nur damit das ideologische Gleichheitsdogma verwirklicht wird.

Und täglich grüßen uns neue Zumutungen.

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