"KURIER"-Kommentar von Simon Kravagna: "Gefährliche Solidarität"

60 Bundesheer-Soldaten sollen in den Tschad, um dort zu helfen. Gute Idee?

Wien (OTS) - Und wo bitte liegt der Tschad? "In Afrika" ist schon mal eine gute Antwort. Dann wird’s schon schwieriger. Hauptstadt? Währung? Amtssprache? Dass im Nachbarland Sudan Reitermilizen Frauen und Kinder abschlachten, ist vielleicht bekannt. Aber sonst? Die Wahrheit ist: Viele Österreicher werden mit dem Tschad nichts anfangen können. Verteidigungsminister Norbert Darabos will aber auf einer "Fact-finding-Mission" erkunden, ob Bundesheer-Soldaten dort unter UN-Flagge sudanesische Flüchtlinge schützen sollen.
Gegen eine rot-weiß-rote Beteiligung spricht viel: Anders als am Balkan oder den Golan-Höhen ist das Risiko schwer kalkulierbar. Wie viele Menschenleben ist die Solidarität wert? Zudem ist laut Afrika-Experten eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht. Allerdings: Internationale Solidarität kann man nicht nur heucheln. Und wer hätte diese nötiger als Flüchtlinge ohne Schutz und Hoffnung? Wenn sich die UN, wie in diesem Fall, schon einmal zum Handeln durchgerungen hat, dann sollte ein Einsatz ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Voraussetzung dafür ist ein klarer Auftrag, beste Ausrüstung und gewissenhafteste Vorbereitung der Mission- sowohl militärisch als politisch.
Übrigens: Die Hauptstadt des Tschad ist N’Djamena.

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