GLOBAL 2000: Agro-Treibstoffe sind ineffizient und Scheinlösung

Klimaschutz braucht verkehrspolitische Trendwende.

Wien (OTS) - Mit 1. Oktober beginnt in Österreich die Beimischung von so genanntem "Bio-Ethanol" zu Benzin. Aus diesem Anlass stellt GLOBAL 2000 im Rahmen einer Pressekonferenz klar, dass Biomasse im Autotank nicht das Klima schützt, sondern lediglich eine kosmetische Maßnahme ist. "Eine verkehrspolitische Energiewende ist unumgänglich. Eine fünfprozentige Agrosprit-Beimischung ist hingegen nur eine Scheinlösung. Den AutofahrerInnen wird vorgegaukelt, dass unsere Art der Mobilität dadurch klimafreundlich ist und Klimaschutz an der Zapfsäule stattfindet", so Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von GLOBAL 2000. Wer wirksamen Klimaschutz betreiben will, wählt andere Maßnahmen. Wie eine GLOBAL 2000-Studie belegt, würde allein ein Tempolimit von 110km/h auf Autobahnen und 80km/h auf Landstraßen mehr Klimaschutz bringen als die aktuelle Beimischung. Die Hälfte der vom Umweltbundesamt berechneten Einsparungen an Treibhausgasen durch eine fünfprozentige Agrarsprit-Beimischung wird allein durch den Mehrverbrauch der 200.000 SUVs und Geländeautos in Österreich wettgemacht. Würden alle PKW in Österreich nur mehr 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, wäre die Treibhausgaseinsparung rund sieben bis neun Mal höher als durch die Biosprit-Beimischungen.

GLOBAL 2000 bekennt sich grundsätzlich zur umweltgerechten Nutzung der heimischen Biomasse. "Biomasse ist eine knappe Ressource und sollte daher möglichst wirksam für den Klimaschutz eingesetzt werden", so Silva Herrmann, Klimaexpertin von GLOBAL 2000. Intensiver Energiepflanzenanbau ist definitiv der falsche Weg. "Biomasse in der Wärme- sowie der gekoppelten Wärme- und Stromerzeugung ist bis zu drei Mal effizienter und kann wesentlich kostengünstiger eingesetzt werden als bei der Erzeugung der derzeit genutzten Agro-Treibstoffe Biodiesel und Bioethanol", so Herrmann weiter. Durch die Produktion und Verarbeitung von Energiepflanzen werden große Mengen an Treibhausgasen emittiert. Die Klimawirksamkeit des fertigen Produktes Agrodiesel führt damit nur zu einer einprozentigen Reduktion der Klimagase pro Kilometer.

Mit der Beimischung droht eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion mit vermehrtem Pestizid- und Düngemitteleinsatz, Monokulturen und engen Fruchtfolgen. Durch die Umwidmung von Brachflächen in Anbauflächen zur Agrodiesel-Produktion ist außerdem die Artenvielfalt massiv gefährdet. Weiters drohen Agro-Treibstoffe zum Türöffner für Gentech-Pflanzen auf Österreichs Feldern zu werden. Gentechnisch veränderte Pflanzen können sich unkontrolliert ausbreiten und die Nahrungskette verunreinigen. Deswegen lehnt GLOBAL 2000 auch bei Agro-Treibstoffen den Einsatz von Gentechnik strikt ab. "Selbst wenn wir alle diese negativen Folgen in Kauf nehmen würden, kann Österreich seinen stetig steigenden Bedarf an Agro-Treibstoffen nicht selbst decken. Österreich muss also Agro-Treibstoff importieren. Wir machen uns durch unseren zu hohen Autoverkehr für weitere Umweltzerstörung in anderen Ländern mitverantwortlich", kritisiert Herrmann.

GLOBAL 2000 erteilt daher Agro-Treibstoffen eine klare Absage und fordert eine Klimaoffensive, die vor allem bei der Verkehrspolitik ansetzt: Weniger Fahrten in sparsameren Autos, verstärkter Umstieg auf attraktive öffentliche Verkehrsmittel und Tempolimits sind sofort wirksame Lösungen. Diese sind nicht nur klimafreundlicher, sondern auch bedeutend billiger: Die Kosten, um eine Tonne CO2 durch Agro-Treibstoffe zu vermeiden, liegen bei mindestens 100 Euro und können nach Aussagen der OECD bis zu 4000 Euro erreichen. Die Verschärfung des Tempolimits kostet nahezu nichts und spart zusätzlich den AutofahrerInnen noch Geld und erhöht die Verkehrssicherheit. "Mit der Agro-Treibstoff-Offensive setzt die Politik auf das falsche Pferd und lenkt vom Klimaversagen der österreichischen Politik ab", so Herrmann abschließend.

GLOBAL 2000-Positionspapier unter www.global2000.at

Rückfragen & Kontakt:

GLOBAL 2000 Presse: Lydia Matzka-Saboi 0699/14 2000 26, Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Klima- und Energiereferentin: Silva Herrmann, 0699/ 14 2000 17 und GLOBAL 2000 Verkehrsreferent: Heinz Högelsberger Tel.: 01/812 57 30 38

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GLL0001