Fachtagung der JugendamtspsychologInnen: Schöne neue Medienwelt

Fachtagung österreichischer JugendamtspsychologInnen vom 3. bis 5. Oktober 2007 im Wiener Rathaus

Wien (OTS) - JugendamtspsychologInnen aus ganz Österreich treffen in den nächsten Tagen zu ihrer jährlichen Fachtagung im Wiener Rathaus ein, die am 3. Oktober 2007 um 9:15 von Frau Landtagspräsidentin Prof. Erika Stubenvoll eröffnet wird.

Heuer werden sich die ExpertInnen mit den Auswirkungen der Medien auf die Entwicklung von Kindern kritisch auseinandersetzen.

Medienkonsum und seine Auswirkung auf die Hirnentwicklung von Kindern

Herr Univ.-Prof. DDr. Gerald Hüther, Leiter der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Universitätsklinik Göttingen stellt in seinem Beitrag dar, welche neuronalen Netzwerke und synaptischen Verschaltungen im Zuge der extensiven Nutzung digitaler Medien besonders stark gebahnt und welche zwangsläufig nur unzureichend herausgeformt werden können, auch welche langfristigen Folgen solche Anpassungsprozesse für die noch in der Entwicklung befindlichen Gehirne von Kindern und Jugendlichen haben.

Familienforscher plädiert für richtiges Medienhandeln im Alltag

Herr Prof. Dr. Andreas Lange (Professor für Soziologie an der Universität Konstanz) beschäftigt sich mit dem Thema aus Sicht der Familienforschung. Ausgehend von der Herausforderung für Familien in Zeiten neuer Arbeitsbedingungen und Belastungen, den Alltag positiv zu gestalten, beschäftigt ihn die Frage, warum den Medien gemeinhin eine negative Rolle zugesprochen wird und wer davon profitieren könnte. Insgesamt wird für ein multifaktorielles Bild des Zusammenhangs von Familie und Medien plädiert und Ansätze der Vorzug gegeben, die Medienhandeln als Teil der alltäglichen Lebensführung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Familien verstehen.

Kinder und Jugendliche kompetent im Umgang mit Medien machen!

Herr Prof. Dr. Helmut Lukesch vom Institut für Experimentelle Psychologie der Universität Regensburg setzt sich mit der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und natürlich auch von Erwachsenen auseinander. Einschlägige Inhaltsanalysen über das deutsche Fernsehen machen beispielsweise deutlich, dass die Fernsehwelt nicht einfach ein Abbild der Realität ist, sondern durch Medienschaffende in eine einseitige Richtung akzentuiert wird, welche für die unterschiedlichen Zielgruppen zum einen gängige Schemata bedient und zum anderen Angebote im Sinne des Erregungsmanagements mit ausgeprägter Gewalt- und Actionanteile und einer Vorliebe für das von sozialen Schemata Abweichende macht.

Wie viel Medien braucht ein Kind?

Der bekannte Erziehungswissenschafter Herr Prof. Dr. Peter Struck von der Universität Hamburg Fachbereich Erziehungswissenschaften bringt es auf den Punkt. Die Medienlandschaft an sich ist nicht schädlich; auf den Umgang mit ihr kommt es an. Kinder bis zum Ende des dritten Lebensjahres sollten nie vor dem Bildschirm sitzen, weil es ihren Augen nicht gut tut. Kinder von vier bis fünf Jahren sollten nicht mehr als 20 Minuten Fernsehen und im Alter zwischen sechs und neun Jahren wäre täglich eine halbe Stunde Bildschirmkonsum und eine halbe Stunde vor dem Computer zu erlauben. Daher sollten sie auch keinen eigenen Fernseher im Zimmer haben. Von 10 bis 13, wieder nicht länger als eine Stunde zu Hause und eine Stunde in der Schule vor dem Fernseher bzw. Computer und ab 14 Jahren nicht mehr als täglich zwei Stunden zu Hause und zwei Stunden in der Schule. Kinder lernen - in einem Lernnetzwerk von Familie-Schule-Medien Jugendkultur und Gesellschaft.

Medienfit durch Medienpädagogik

Frau Dr. Ingrid Geretschläger von der Medienberatungsstelle der NÖ Landesakademie zeigt anhand eines Filmbeitrages, wie es gelingt den Ruf von Eltern nach Orientierungshilfen zu entsprechen und Events für Kinder und Eltern zu organisieren. Ihre Angebote reichen vom Bilderbuchkino (mit Dias) bis zum eigenen aktiven Gestaltung von Trickfilmen, Elternabende, Forschungstätigkeit und der Produktion von Radiosendungen mit Kindern für Kinder.

Familie im Film - ein Projekt zur Förderung des Eltern-Kind-Dialogs!

Herr Dr. Peter Dillig ist Leiter der Eltern-, Jugend- und Familienberatungsstelle für Stadt und Landkreis Ansbach in Deutschland. Sein Forschungsschwerpunkt an der Universität Erlangen sind die Ursachen von Jugendkriminalität und Selbstmord junger Krimineller. In der Eltern-, Jugend- und Familienberatungsstelle hat er ein Open-Air-Kino-Projekt initiiert, das Eltern und Kindern Filme mit dem Schwerpunkt Familie zeigt. Gemeinsames Kinoerleben, das sich über das Gesehene Austauschen und der sinnvolle Umgang mit den Medien standen dabei im Vordergrund dieser Aktion.

Nehmen Sie doch einmal die Perspektive von Kindern ein!

Frau Dr. Angela Tillmann, Diplompädagogin und Lehrbeauftragte an der Universität Dresden, Fakultät Erziehungswissenschaften plädiert in Anknüpfung an die aktuelle Kindheitsforschung dafür, sich mit den Besonderheiten der Kindheit heute zu beschäftigen. Individualisierung, Verinselung, Institutionalisierung und Kommerzialisierung von Kindheit ist ihr Thema. Deutlich wird, dass Kinder je nach Entwicklungsstufe bzw. kognitiven Fähigkeiten in den Medien unterschiedliches sehen. Eine entwicklungspsychologische Betrachtungsweise vermag uns das kindliche Fernsehverständnis näher zu bringen.

o Schöne neue Medienwelt 54. Fachtagung der österreichischen JugendamtspsychologInnen 3. bis 5. Oktober 2007

An dieser Thematik interessierte JournalistInnen sind herzlich willkommen und haben die Möglichkeit, Interviews mit den Vortragenden zu führen. (Schluss) eg

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