Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Auf Jobsuche

Wien (OTS) - Das nennt man Vorarlberger (Papier-)Sparsamkeit.
Hubert Gorbach hält es für üblich, dass man Job-Bewerbungen auf dem Briefpapier des früheren Arbeitgebers schreibt. Sogar dann, wenn darauf der Bundesadler flattert. Gorbachs Jobsuchen haben ja schon einmal für Peinlichkeit gesorgt: als noch zu Amtszeiten ein fixer Nachfolge-Job (der später freilich nicht lange fix war) bei einer Firma bekannt wurde, die eigentlich von ihm zu kontrollieren war.

Der Fall Gorbach, Gorbachs Fall zeigt aber auch, wie schwer es ist, nach einer politischen Karriere einen normalen Beruf zu finden. Gewiss: Politisierende Beamte und Mitarbeiter von Interessenvertretungen können ins gemachte Bett zurückfallen. Für alle anderen ist eine politische Vergangenheit jedoch karrierebehindernd. Denn es ist Schwachsinn, was einer der unsäglichen (und teuren) PR-Agenten im Radio zu Gorbach gesagt hat:
normalerweise sichere man sich als Minister schon während der Amtszeit einen Nachfolgejob. Dies würde aber den Verdacht einer Schiebung samt Medienwirbel auslösen (zu dessen Beilegung man dann wieder einen PR-Agenten engagieren sollte . . .).

Auch Magna nimmt seit längerem keine Ex-Politiker auf, weil man dafür nur schlechte Publicity bekommen hat: Während Politiker-Engagements in Nordamerika beliebt sind, werden sie von österreichischen Medien prinzipiell mit Häme kommentiert. Davor fürchten sich viele Firmen, obwohl ein guter Politiker zweifellos große Management-Fähigkeiten hat. Anwälte oder Ärzte müssen nach der Politik überhaupt ihre Klientel von Null wieder aufbauen. Politiknahe Posten lösen wieder den Vorwurf "Versorgung!" aus. Und dort, wo in den USA ebenfalls viele Ex-Politiker zum allseitigen Nutzen landen, spielt man "Closed shop": Universitäten (wie auch die Diplomatie) ignorieren Erfahrung und Wissen eines Ex-Politikers und begnügen sich mit der Inzucht des eigenen Stalles. Als ob eine langweilige-papierene Habilitation eine bessere Basis wäre, Studenten Relevantes beibringen zu können, als die Lehren des wirklichen Lebens.

Schadenfreude über die Job-Probleme von Expolitikern (die sehr viele treffen) ist in Wahrheit selbstbeschädigend. Denn diese Perspektive gibt klugen und anständigen Menschen nur noch ein weiteres Motiv, nicht Politiker werden zu wollen.

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