FORMAT: Laborstudie deckt dramatische Hygienemängel in Österreichs Thermalbädern

43 Prozent aller Beckenproben beanstandet - fatale Zustände in Kaltbecken und Saunabereichen - Vernebelungseinrichtungen besonders gefährlich

Wien (OTS) - Eine anonyme mikrobilogische Untersuchung von zwanzig österreichischen Thermalbädern durch das Bischofshofener Prüflaboratorium für Hygiene und Medizinprodukte, Hygcen, ergab dramatische gesundheitsschädliche Hygienemängel in Österreichs Wellnessoasen. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin FORMAT in seiner aktuellen Ausgabe.

Aus Beckenwasser, Duschwasser und sonstige Flüssigkeiten seien mehr als 600 Wasserproben zu stark belasteten Zeiten und an möglichst ungünstigen Stellen gezogen worden, schreibt FORMAT. Oberflächen seien mittels Abdruckplatten untersucht worden. Finanziert hätten die groß angelegte Hygiene-Studie je zur Hälfte das Wirtschaftsministerium und eine Gruppe von Unternehmen aus dem medizinisch-technischen Bereich.

"43 Prozent aller Beckenproben wurden beanstandet", bestätigt Studienverantwortliche Margarita Gilowsky (Hygcen) die FORMAT in einer Zusammenfassung vorliegenden Untersuchungsergebnisse. "Pilzerkrankungen, vor allem Vaginalpilze, aber auch Lungenentzündungen können die Folge sein." In acht Prozent aller Becken wurden Legionellen nachgewiesen, so FORMAT weiter. Legionellen sind im Verdauungsapparat ungefährlich, können aber bei Eintritt in die Atemwege Lungenentzündung auslösen.

Noch extremer stellt sich die Situation in Kaltbecken wie Sauna- oder Kneippbecken dar, schreibt FORMAT. Mehr als die Hälfte der dort entnommenen Proben verstoßen laut der von FORMAT zitierten Studie aus mikrobiologischer Sicht gegen gesetzliche Regelungen. In 29 "Verdachtsfällen" wurde der Chlorgehalt der Becken bestimmt. 16 davon wiesen "gar keinen" (!) messbaren Chlorgehalt auf. Zudem waren auch noch Filter verkeimt, was die Wasseraufbereitung ad absurdum führt, so FORMAT.

FORMAT zitiert dazu aus der Studie wie folgt: "Der Nachweis von Legionellen und Pseudomonas aeruginosa im Badewasser belegt, dass in diesem System zumindest temporär Zonen ohne ausreichenden Desinfektionsmittelgehalt existieren. In diesen Zonen können von Badegästen eingebrachte Krankheitserreger über längeren Zeitraum infektiös bleiben, beziehungsweise können Krankheitserreger sich dort vermehren."

Die genannten Pseudomonas aerguinosas können Schlauchsysteme, Filtermaterialien, Wasser führende Teile medizinischer Geräte und ganze Installationssysteme kontaminieren und lösen Haut- und Hörgangsinfektionen aus, schreibt FORMAT. In Krankenhäusern zählen sie zu den häufigsten Auslösern von Wund-, Harn- und Atemwegsinfektionen mit oft tödlichem Verlauf.

Um nichts besser ist die Lage beim Duschwasser, berichtet FORMAT weiter. Im Großteil der Thermen wurden auch dort Legionellen festgestellt. Erhöhte Koloniezahlen würden selbst in den Trinkbrunnen festgestellt. Besonders gefährlich seien die Trend liegenden Vernebelungseinrichtungen, so FORMAT: Legionellen und Pseudonomaden können über den Weg des so genannten Aerosols direkt in die Lungen gelangen und dort schwere Erkrankungen verursachen, so die Studie. Mehr als die Hälfte der überprüften Einrichtungen entsprachen nicht den Anforderungen.

Schlimm auch die Zustände in den Saunabereichen, so das Magazin. "Teilweise wurden auf den Oberflächen hohe fäkale beziehungsweise anthropogene Belastungen festgestellt. Relevant sind diese Belastungen jedenfalls auf Oberflächen, bei denen angenommen werden kann, dass diese üblicherweise auch mit Händen berührt werden, und die Hände dann auch zum Gesicht geführt werden (Dampfbad, Sauna, Liegebereich)", heißt es hierzu in der UIntersuchung.

Als Grund für die fatalen Zustände sieht Expertin Margarita Gilowsky weniger bösen Willen oder Schlampigkeit, als vielmehr mangelnde Information: "Es war geradezu erschütternd, wie wenig die Verantwortlichen über hygienische Erfordernisse wussten. Das betraf nicht nur die Thermenbetreiber selbst, sondern auch die Hersteller von Thermalanlagen oder Saunen", sagte sie gegenüber FORMAT.

Fünf österreichische Thermalbetreiber, darunter Robert Rogner, haben auf Basis der Studie mit dem Laborbetrieb tiefer gehende Untersuchungen angestellt und bereits weit reichende Konsequenzen daraus gezogen. "Wir haben vieles geändert", so Rogner gegenüber FORMAT. "Österreich hat die Chance, mit dieser Analyse gegenüber dem Ausland, wo solche Studien erst gar nicht durchgeführt werden, Hygiene-Musterschüler zu werden."

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