Ökostrom-Enquete 2007: E-Control präsentiert Evaluierungsergebnisse zu Ökostromentwicklung

Wien (OTS) - Geförderte Ökostromerzeugungsmengen im letzten Halbjahr um 50% gestiegen. Zuwachs damit ähnlich stark wie in Deutschland. Trotzdem bleiben ohne Stopp des Verbrauchswachstums die Klimaschutzziele unerreichbar. Nennenswerte weitere Ökostrompotentiale hauptsächlich bei Wasserkraft und Windkraft.

Heute werden auf Einladung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Martin Bartenstein, die wichtigsten Ergebnisse der Evaluierung der Ökostromentwicklung von der E-Control vorgestellt. Die Evaluierung wurde von der E-Control in den letzten Monaten im Auftrag des BMWA durchgeführt.

Dämpfung des Stromverbrauchs als größte Herausforderung

Die entscheidende Herausforderung der nächsten Jahre für eine nachhaltig umweltfreundliche Stromversorgung ist die Dämpfung des Verbrauchswachstums. "Die Potenzialbewertungen zeigen ganz eindeutig, dass wir mit den erneuerbaren Energieträgern nicht einmal die erwartete Verbrauchssteigerung von 25% bis 2020 abdecken können, wenn der Stromverbrauch wie bisher ungebremst weiter wächst", so Walter Boltz, Geschäftsführer der Energie-Control GmbH. Als Basis zur laufenden Kontrolle aller Maßnahmen zur Effizienzsteigerung wird empfohlen, ein engmaschiges Monitoringsystem aufzubauen, in dem periodisch Ausmaß und Ursachen der Energie- und Stromverbrauchsentwicklung analysiert werden. Vor allem im Bereich der privaten Haushalte gibt es kaum wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, welche die wichtigsten Einflüsse auf das Verbrauchsverhalten sind und wie man entsprechend gegensteuern könnte. Viele konkrete Maßnahmen sind im Nationalen Energieeffizienzplan enthalten, zum Beispiel die Forcierung von Wärmepumpen oder die Reduktion der Strom-Widerstandsheizungen. Was diese Maßnahmen aber genau bringen und wie lange die Vorlaufzeiten sind, ist oft unklar. "Der Stromverbrauch wird in Österreich im Jahr 2020 um ein Viertel höher sein als heute wenn uns kein entscheidender Effizienzfortschritt gelingt, der über vergangene Maßnahmen weit hinaus reichen muss", so Boltz. "Zusätzliche Ökostrompotenziale sind dagegen höchstens in einem Ausmaß von rund 10 % in diesem Zeitraum darstellbar, also nicht einmal halb so hoch wie die prognostizierten Verbrauchszuwächse."

Gefragt sind abgestimmte Mittelfristkonzepte für Effizienz, Wasserkraft und Windkraft

Aber die Evaluierung hat auch ergeben, dass es zusätzliche Potentiale für Ökostromerzeugung gibt, die genutzt werden könnten. Die größten ausbaufähigen Ökostrompotenziale sind in den Bereichen Wasserkraft und Windkraft gegeben. "In diesen beiden Bereichen geht es weniger um die Frage der technischen Potenziale, als um jene der Genehmigung", so Walter Boltz. "Wenn in Österreich die Wasserkrafterzeugung (derzeit 36 Milliarden kWh pro Jahr) nur um 5 % gesteigert werden würde, wäre das soviel an zusätzlichem Ökostrom, wie alle bestehenden 650 Windräder in Österreich zusammen erzeugen." Hier sind die Genehmigungsbehörden auf Gemeinde- und Landesebene und die für Flächenwidmungen zuständigen Landesregierungen gefordert, abgestimmte Ausbaupläne zu erarbeiten, in die in weiterer Folge auch die Netzbetreiber einzubinden sind. In jenen Bundesländern wo dies koordiniert erfolgt ist, wie z.B. im Burgenland für den Windkraftausbau, ist es in der Vergangenheit auch gelungen, in kurzer Zeit zahlreiche Projekte zu realisieren. Analog dazu könnten auch die westlichen Bundesländer durch Straffung und Koordination der Genehmigung neuer Wasserkraftwerke einen stärkeren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Rohstoffmarkt für Biomasse- und Biogasanlagen in Umbruch

Die Rohstoffversorgung für Biomasse- und Biogasanlagen ist zum einen empfindlich teurer geworden und zum zweiten sind die benötigten Ressourcen wie Holz nicht unbegrenzt verfügbar. Für Biogasanlagen werden zumeist Futtermittel wie Mais zu Faulgas vergoren. Auch diese Stoffe werden am Weltmarkt wieder verstärkt als Nahrungs- und Futtermittel nachgefragt und sind im Preis stark gestiegen. International wird angenommen, dass diese Preisentwicklung nachhaltig ist und auch mittelfristig mit starken Preisausschlägen nach oben gerechnet werden muss. Daher sollte in Bezug auf den Ausbau der Biomasse- und Biogasanlagen abgewartet werden, was die Land- und Forstwirtschaft wirklich langfristig, verlässlich und zu längerfristig garantierten und annehmbaren Preisen an Energiepflanzen anbieten kann. Auch die ethischen Fragen in Zusammenhang mit Nutzung von Lebensmitteln für die Energieproduktion und Treibstoffproduktion sollten genauer durchdacht werden, bevor ein weiterer starker Ausbau forciert wird. Hier sind in den nächsten Jahren aber durchaus biotechnologische Fortschritte denkbar, die einen weiteren Ausbau in einigen Jahren wieder möglich machen könnten.

Eine unter 221 Ökostromanlagenbetreibern durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts A.C. Nielsen bestätigt diese Einschätzungen: Wasserkraft- und Windkraftausbau ist mehr ein Problem der Genehmigungen, bei Biomasse und Biogas ist die Preisentwicklung bei Rohstoffen ein großes Problem und, es wird, wenn überhaupt eher eine Erweiterung bereits bestehender Anlagen erwartet.

Mittelfristig gibt es durchaus die Hoffnung, dass neue Technologien, wie sie ja insbesondere vom Klimaschutzfonds unterstützt werden sollten, einen weiteren Ausbau der Ökostromproduktion in Österreich ermöglichen.

Der vollständige Bericht wird in einigen Wochen veröffentlicht.

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