"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Tricolore statt Creditanstalt" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 21.09.2007

Wien (OTS) - Nun heißt es endgültig Abschied nehmen vom einstigen Flaggschiff der österreichischen Bankenlandschaft: Die Creditanstalt ist demnächst ebenso Geschichte wie die "rote Welle" als bisheriges Markenzeichen. Künftig wird die BankAustria unter dem Logo der italienischen UniCredit-Gruppe segeln.
In Österreich wird damit nachvollzogen, was in den Oststaaten längst passiert ist. Die Konzernzentrale in Mailand verlangt von allen Tochterbanken auch optisch ein klares Bekenntnis zur UniCredit.
Im August hatte Österreich-Chef Erich Hampel noch versichert, dass "die BA-CA kein Auslaufmodell ist, das Gegenteil ist der Fall". Zumindest zur Hälfte - nämlich bezüglich des CA im Markennamen -haben ihn die italienischen Konzernherren nun Lügen gestraft.
Das ist zwar symbolträchtig, aber nicht mehr besonders bedeutsam. Die Bank ist längst italienisiert: Hampel selbst ist zwar Generaldirektor der Österreich-Filiale, seine Gage bezieht er aber aus seiner Paralleltätigkeit als Vorstandsmitglied der UniCredit. Dort hatte ihm Konzernchef Alessandro Profumo kürzlich zwei stellvertretende Generaldirektoren - selbstverständlich Italiener - vor die Nase gesetzt.
Das wiederum kam für manche Beobachter der Bankenszene insofern etwas überraschend, als Hampel von Wien aus das überaus rentable Ostgeschäft der Bankengruppe (mit Ausnahme Polens) verantwortet. Trotzdem durften nur naive Gemüter erwarten, dass Hampel auf Dauer der direkte Zugang zum obersten Boss erhalten bleibt.
Schon der Ersatz des im August aus dem Vorstand ausgeschiedenen österreichischen Finanzchefs (CFO) der BankAustria durch einen Italiener sprach Bände. Die UniCredit setzte den bisherigen CFO der Türkei-Tochter Yapi Kredit als neuen Statthalter in Wien ein. Wirklich klare Verhältnisse wird es vermutlich erst 2011 geben: In diesem Jahr läuft die vertraglich fixierte Einbindung der Ostbanken in die BankAustria aus. Die UniCredit darf dann die Osttöchter in eine eigene Holding ausgliedern und die Ost-Zentrale nach Mailand (oder in ein anderes Finanzzentrum ihrer Wahl) verlagern.
In diesem Fall bleibt die BankAustria zwar eine für Österreich wichtige Großbank, nimmt im Gesamtkonzern aber nur eine ziemlich untergeordnete Position ein. Ob dann nur noch UniCredit über den Filialen steht oder auch weiterhin zusätzlich BankAustria, spielt keine Rolle mehr.
Der eigentliche Abschied von mehr als 150 Jahren österreichischer Bankentradition findet jetzt statt. 1855 gegründet, musste die Creditanstalt 1934 im Zug der Weltwirtschaftskrise vom Staat aufgefangen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie zum Flaggschiff der österreichischen Bankenlandschaft aufgestiegen, ehe sie 1997 von der BankAustria übernommen wurde.
Jetzt ist die CA endgültig Geschichte. Über ihrem traditionsreichen Hauptsitz in der Wiener Schottengasse weht die Tricolore. Von Rot-weiß-rot ist dort längst keine Rede mehr.

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