"Zölibat? Kirche braucht Priester" (Von Peter NINDLER)

Ausgabe vom 20. September, 2007

Innsbruck (OTS) - Die Kirche benötigt Priester, aber auch Gläubige. Beides ist derzeit Mangelware. Die Gotteshäuser verwaisen zusehends. Wie auch die einzelnen Pfarreien. Auf die vor allem im deutschen Sprachraum weit verbreitete Kirchenkrise gäbe es einige Antworten. Aber aus möglichen Antworten macht das seit Jahrhunderten klar strukturierte Beziehungsgeflecht der Katholischen Kirche leider oft schwere Fragen.

Natürlich würden verheiratete Männer im Priestergewand auch Probleme schaffen, sollte ihre Ehe in Brüche gehen. Doch solange der Glaube dadurch nicht erschüttert wird, gäbe es keinen Grund einen Bruch zu vollziehen. Gleichzeitig müsste man den ebenfalls schon lang gehegten Wunsch nach Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten erlauben. Eine Erneuerung in einem Aufwaschen sozusagen.

Die Kirche plant universell und denkt in Jahrhunderten. Aber was nützt es ihr, wenn sie umsonst denkt. Gläubige zurückzugewinnen, muss ihre Zukunftsaufgabe sein. In einer globalisierten Welt suchen viele Menschen nach Halt, die Kirche kann diesen geben. Doch dazu braucht es den Seelsorger; jemanden, der die Kirchentür auch öffnet.

Die geforderte Ehelosigkeit sagt nichts darüber aus, ob ein Priester seiner Aufgabe gewachsen ist oder nicht. Aber der Zölibat verhindert, dass mögliche Hirten ihren Traumberuf ausüben können. Weil sie eine Familie oder Beziehung haben möchten. Schlussendlich schließt sich der Kreis: Weniger Zölibat könnte vielleicht wieder für mehr Zuspruch in den Kirchen sorgen. Einen Versuch wär‘ es wert.

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