"Die Presse"-Meinung: "Wie man sich selbst ins Knie schießt" von Miriam Koch

Ausgabe vom 20.9.2007

Wien (OTS) - Die Ablöse der drei Asfinag-Vorstände könnte Verkehrsminister Faymann nicht nur finanziell teuer zu stehen kommen.

Wer Kasperltheater mit Steuergeld mag, hätte gestern in Wien bei den letzten Verhandlungen mit den Asfinag-Vorständen bezüglich ihrer Ablöse dabei sein müssen. Was für ein Trara! Und Spannung bis zum Schluss!
Denn heute, Donnerstag, ist Aufsichtsratssitzung bei der staatlichen Straßenbetreibergesellschaft. Und daher herrscht Zeitdruck. Immerhin ist in den drei Monaten seit der Ankündigung, dass Franz Lückler, Christian Trattner und Mathias Reichhold gehen müssen, nichts passiert. Zudem hatte sich Verkehrsminister Werner Faymann festgelegt. "Millionenbeträge stehen nicht zur Diskussion", sagte er im Juni. Daher wurde eine Lösung, bei der Franz Lückler, Christian Trattner und Mathias Reichhold gemeinsam rund 1,5 Millionen Euro erhalten hätten, wieder verworfen. Es wurde also um Abschiedszahlungen gefeilscht als wäre man auf einem Basar. Bekommt Reichhold das, will Lückler dies und Trattner das. Sagt Lückler nein, wollen die anderen auch nicht mehr. Jeder versuchte seinen Nutzen zu optimieren. Denn sie haben sich nichts vorzuwerfen. Sie haben ihren Job gemacht, der solange passte, bis die neue Regierung kam.
Die Nutzenmaximierung mag für die einzelnen Vorstände richtig sein. Doch sie lässt kein gutes Gesamtergebnis erahnen. Nur eine Hoffnung bleibt: Vielleicht ist das alles ja eine Lehre für die Politik. Wer Vorstände aus fadenscheinigen Gründen und ohne echte Argumente entfernen möchte, schießt sich damit selbst ins Knie. (Bericht: S. 17,18)

miriam.koch@diepresse.com

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