Ärztekammer lehnt Privatisierungswelle der Spitäler vehement ab

Szekeres: "Zustände wie in Deutschland und Amerika gilt es unbedingt zu vermeiden"

Wien (OTS) - Gegen den Vorstoß von Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf, künftig verstärkt Kooperationen mit privaten Anbietern bei der Führung von Gesundheitseinrichtungen einzugehen, stellt sich heute Ärztekammer-Vizepräsident Thomas Szekeres: "Wenn das die Zukunft ist, befürchte ich, werden wir in Österreich auch bald mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie unsere deutschen Kolleginnen und Kollegen." Dort würden - einer aktuellen Studie des Marburger Bundes zufolge - fünfzig Prozent der Spitalsärzte daran denken, ihren Job aufgrund der katastrophalen Arbeitsbedingungen "an den Nagel zu hängen". ****

Diese Umstände könnten unter anderem auf die vermehrte Beteiligung von privaten Anbietern an deutschen Kliniken zurückzuführen sein, vermutet der Vizepräsident. In Österreich müsse ein solches Szenario jedenfalls unbedingt vermieden werden. Die Arbeitsbedingungen in den Spitälern seien ohnehin schon "eine Zumutung", so Szekeres. "Die Spitalsärztinnen und -ärzte arbeiten bereits weit über ihrem Leistungslimit, um das stetig zunehmende Arbeitspensum zu bewältigen und den Patienten trotzdem die beste Versorgung zukommen zu lassen."

In Richtung Generalsekretär Kopf weist Vizepräsident Szekeres darauf hin: "Das abschreckende Beispiel Amerika lehrt uns, dass ein privates System nicht allein Vorteile birgt, sondern auch Mehrkosten verursachen kann." So würden die Gesundheitsausgaben in Amerika zwar rund 16 Prozent des Bruttosozialprodukts betragen, dass dies nicht gleichzeitig auf die Versorgungsqualität schließen lasse, beweise die "unglaublich schlechte Versorgung der Patienten in Amerika". Immerhin gebe es in den Staaten mehr als 40 Millionen Unversicherte. In Österreich betragen die Ausgaben zehn Prozent des BIP und "jeder Patient hat einen Zugang zu der bestmöglichen medizinischen Behandlung", betonte Szekeres.

Gebe man privaten Anbietern in Österreich nun verstärkt Möglichkeiten, sich an Spitälern zu beteiligen, befürchtet Szekeres zudem eine weitere Mehrbelastung der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern. "Außerdem sehe ich die Gefahr, dass das wirtschaftliche Eigeninteresse der privaten Spitalsbetreiber den medizinischen Aspekt gänzlich in den Hintergrund drängt", so der Vizepräsident weiter. Eine solche Entwicklung sei "keine wünschenswerte Zukunftsvision für das österreichische Gesundheitssystem, sondern eher ein Horrorszenario". (kp)

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