"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ausgerechnet die Banken machen Österreich zum Gespött" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 18.09.2007

Graz (OTS) - Für alle, die wirklich gut informiert sein möchten, gehört die britische Wochenzeitung "The Economist" zur Pflichtlektüre. Aus der Feder der Londoner Spitzenjournalisten und zahlreicher Korrespondenten auf der ganzen Welt erfährt der Leser pointiert und unverfälscht, was in Wahrheit wichtig ist und was nicht.

Nach diesen hohen Maßstäben ist Österreich, und was hier so vorgeht, für den Rest der Welt weitgehend unwichtig. Vielleicht noch die Minirepublik San Marino wurde in den letzten zwei Jahren in der Berichterstattung vom Economist so ignoriert wie unser Land. Dass es eine Nationalratswahl gegeben hat - eine Randnotiz. Dass es einen neuen Bundeskanzler gibt - detto. Auch andere Weltblätter verfahren mit der Berichterstattung über Österreich so.

Dafür gibt es nur zwei Ursachen. Entweder sind die Einschätzungen der Weltblätter über Österreich allesamt falsch. Oder das, was hierzulande politisch vorgeht, ist nach höheren internationalen Maßstäben tatsächlich so unwichtig.

Gerechterweise muss ergänzt werden, dass eine Spielart von heimischen Vorgängen von den großen Weltmedien tatsächlich rapportiert wird: die blamablen Vorgänge in einigen Banken. Mit Interesse wurde der Abstieg der Bank Austria-Creditanstalt vom führenden nationalen Institut zum Ableger einer Europabank verfolgt, die Fehlspekulationen der Hypo Alpe Adria und natürlich der Bawag-Skandal. Die Vorgänge um die Meinl-Bank werden gleichfalls nicht gerade als Glanzleistungen heimischer Bankenführung dargestellt.

Genüsslich führte der sonst spärlich illustrierte "Economist" den nadelgestreiften Bankern der Londoner City sogar ein Foto Helmut Elsners zu Gemüt, wie er vor Gericht in Schlapfen auftritt.

Es ist wirklich frappant, mit welchen Sujets heimische Banker aufwarten können. Die Zwischenlandung eines Businessjets, damit der Hund eines Bankers sein Geschäft verrichten kann, das Verhalten von überforderten Gewerkschaftsbossen, die Art, wie sich heimische Banker von Profis hineinlegen lassen, oder die unveränderbaren parteipolitischen Mätzchen in weiten Teilen der Branche zeichnen ein klares Bild: Ausgerechnet der auf seriös machende Finanzsektor macht Österreich international zum Gespött.

Da mögen die Erfolge mancher heimischer Geldinstitute etwa in Mittel-und Osteuropa noch so groß sein: die blamablen Auftritte der Mitbewerber machen für den Bankplatz Österreich fast alles wieder zunichte. ****

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