"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Islamdebatte ohne Struktur" (Von CARMEN BAUMGARTNER)

Ausgabe vom 18. September 2007

Innsbruck (OTS) - Seit der Festnahme dreier mutmaßlicher
Islamisten wird hierzulande Kraut und Rüben durcheinander debattiert, dass es zum Fürchten ist. Der Ordnungsruf des Bundeskanzlers, "nicht den Islam oder eine andere Religion, sondern den Terrorismus und die Verleugnung der Demokratie" als Feind zu betrachten, war überfällig.

Es überrascht wenig bis kaum, dass Vertreter der FPÖ und des BZÖ die aktuellen Ereignisse begierig nützen, um daraus billig politisches Kapital zu schlagen und aufs Neue mit Schlagworten wie Kopftuch- oder Minarettverbot um sich zu werfen. Bedauerlich ist es, dass sich auch einige Vertreter der Volkspartei nicht zu schade sind, noch ein Stück weiter nach rechts zu rücken und in die gleiche Kerbe zu schlagen. Minarette als "artfremd" zu bezeichnen, wie es der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll getan hat, ist nicht nur geschmacklos (der Begriff entstammt dem NS-Sprachgebrauch), sondern geht auch am Problem vorbei: Nicht die öffentlichen Moscheen, mit oder ohne Minarette, fördern extremistische Tendenzen, sondern Ghettoisierung und aufgeheizte Panikmache, wie man sie bei der Demonstration gegen die Aufstockung eines harmlosen islamischen Zentrums in Wien gespürt hat.

Klar ist aber auch: So wichtig das Instrument des Dialoges ist, radikale Extremisten lassen sich von runden Tischen nicht beeindrucken, geschweige denn von ihren Plänen abhalten. Der Kampf gegen den Terror findet auf einem anderen Schauplatz statt. Dem Diskussionsniveau würde jedenfalls zugutekommen, wenn zwischen den einzelnen Themenfeldern unterschieden würde.

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