Risiko Natur

Wien (OTS) - Wie groß ist das Risiko, von einem Blitz getroffen zu werden? Soll ich mich gegen Hochwasser, gegen Vermurung versichern? Wann sind Maßnahmen gegen Lawinen, gegen Steinschlag wirtschaftlich? Wie groß ist das Erdbebenrisiko in Wien wirklich? Diese und andere Fragen werden internationale Experten in einem Kurs, der diese Woche an der TU Wien (www.ig.tuwien.ac.at) abgehalten wird, versuchen zu beantworten. Natürlich werden auch die Auswirkungen der Klimaänderung auf die Veränderungen der Risiken von Naturgefahren interdisziplinär diskutiert.

Anlass dazu, diesen Kurs zu veranstalten, war der oft unsachgemäße Umgang mit dem Begriff "Risiko" im öffentlichen Sprachgebrauch, in Berichten, sogar in Gutachten. Wir alle treffen auf der Basis des Begriffes "Risiko" täglich unsere Entscheidungen: Wenn ein möglicher Schaden zwar groß ist, die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Schaden eintritt, aber gering ist, werden wir dieses kleine Risiko wahrscheinlich in Kauf nehmen. Wenn wir überlegen, ob wir eine Versicherung gegen Hochwasser abschließen sollten, wägen wir die Versicherungsprämie gegen den möglichen Schaden und die Wahrscheinlichkeit, dass uns das Hochwasser tatsächlich erreicht, ab. Wir multiplizieren also den Schaden und die Eintrittswahrscheinlichkeit unbewusst und halten uns dabei an die Definition Risiko = Schaden x Eintrittswahrscheinlichkeit. Im öffentlichen Bereich werden auf der Basis dieser Definition z.B. Entscheidungen über die Wirtschaftlichkeit von Schutzmaßnahmen gegen Naturgefahren getroffen. Dabei werden kapitalisierte Investitions-und Erhaltungskosten pro Jahr mit dem Risiko als einer Geldmenge pro Jahr verglichen und so die Wirtschaftlichkeit beurteilt.

Die Natur ist zwar "unberechenbar", mit dem Begriff "Risiko" haben wir aber ein Werkzeug, die Bedrohung durch Naturgefahren zu quantifizieren und rationale Entscheidungen zu treffen.

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TU Wien, Institut für Ingenieurgeologie
Univ.Prof.Dr. Rainer Poisel
Tel.: 0664 2772771
rainer.poisel@tuwien.ac.at
http://www.ig.tuwien.ac.at

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