Bures: Kinderbetreuung darf nicht nur "Sprechblase" sein - konkrete Maßnahmen sind gefordert

Reform der Blumförderung zu Gunsten zukunftsorientierter Berufe

Wien (SK) - "Kinderbetreuung hat viel mit einem selbstbestimmten Leben von Frauen zu tun. Es ist wichtig, die Kinder gut betreut zu wissen", so Frauenministerin Doris Bures am Donnerstag im Rahmen eines Pressegespräches gemeinsam mit ihren SPÖ-Amtsvorgängerinnen Präsidentin Barbara Prammer, Johanna Dohnal und Helga Konrad. Kinderbetreuung dürfe nicht länger eine "Sprechblase" sein, jetzt gehe es um konkrete Maßnahmen. Man sei auf einem guten Weg, für Kinderbetreuung seien für die nächsten drei Jahre 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. ****

Prammer ergänzte, dass man die Kinderbetreuung "endlich aus der Defensivposition herausholen muss". Kinderbetreuungseinrichtungen seien Bildungseinrichtungen, man müsse den Eltern sagen, dass den Kindern Chancen vorenthalten würden, wenn man ihnen den Zugang zu Betreuungseinrichtungen nicht ermögliche. Die Nationalratspräsidentin zeigte sich auch froh darüber, dass in der Schuldiskussion von Bildungsministerin Schmied Akzente in Richtung Ganztagsschulen gesetzt würden, denn, so Prammer, es ist nicht Aufgabe der Eltern, den Lernerfolg der Kinder zu gewährleisten, nur weil das in einer Halbtagsschule nicht möglich sei.

Eine weitere wichtige Maßnahme, um Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, sei, so Bures, die Qualifizierung von Frauen zu verbessern. Bei den Lehrberufen finde bei Frauen noch immer eine Konzentration auf fünf Berufe statt, hier müsse den Frauen klar gemacht werden, dass in anderen Berufssparten bessere Chancen bestünden. Bures sprach sich für eine Reform des Blum-Bonus. "Ich bin der Auffassung, dass es keine Förderung für Berufe geben soll, wo Frauen nach Abschluss der Lehre wieder beim AMS stehen", betonte die Frauenministerin. Frauen, die bereits einen Beruf gewählt hätten, mit dem die Chancen gering seien, müsse es ermöglicht werden, sich umzuorientieren. Daher habe man dem AMS 200 Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt, die Hälfte davon soll explizit der Frauenförderung zu Gute kommen.

Gewalt in der Familie "aus den vier Wänden herausholen"

Zur Sprache kam auch das Thema Gewalt in der Familie. "Gewalt ist kein Kavaliersdelikt und keine Privatsache", so Bures. Die Ministerin betonte, dass man die Mittel für den Kampf gegen Gewalt erhöht habe, jetzt könne man Frauen wieder die Hilfe zukommen lassen, die sie brauchen. Noch im Jahr 2006 habe man alleine in Wien 450 Opfer gehabt, die keine Unterstützung erhalten hätten, weil die Ressourcen nicht vorhanden waren. Nun werde der Ausbau der Beratungs- und Interventionsstellen wieder vorangetrieben. "Gewalt entsteht dort, wo Frauen isoliert werden", betonte Bures. Deshalb sei es wichtig, das Thema "aus den vier Wänden" herauszuholen. Im Herbst werde es zwei große Konferenzen geben, die sich mit dem Thema Gewalt in der Familie beschäftigen, kündigte die Frauenministerin an.

"Das Gewaltschutzgesetz ist jetzt zehn Jahre alt. Ich halte es für dringend notwendig, dieses Gesetz weiter zu entwickeln", bemerkte Johanna Dohnal. Daneben müsse die ökonomische Abhängigkeit von Frauen verringert werden, denn sie sei die Ursache für Gewalt. Insbesondere im ländlichen Raum brauche es noch Verbesserungen, hier würden die Wegweisungen oft nicht so funktionieren wie in größeren Städten.

Prammer will Integrationsplattform

Ebenfalls ein Fokus müsse auf das Thema Migration und Integration gelegt werden, auch hier seien Frauen oft die Benachteiligten. Prammer betonte, dass "Migration ein sehr männerdominiertes Thema" sei, die Auswirkungen auf Frauen würden oftmals ausgeblendet. Prammer forderte eine Integrationsplattform, wo Akteure wie Politiker, Sozialpartner und NGO’s eine seriöse Debatte über Einwanderung führen sollen, natürlich müssten auch die Frauen in ausreichender Zahl vertreten sein. "Ich fühle mich derzeit aber als einsame Ruferin in der Wüste. Innenminister Platter zögert, obwohl die Integrationsplattform im Regierungsprogramm festgeschrieben ist", bedauerte Prammer. Helga Konrad bemerkte, dass Migrantinnen besonders anfällig für Gewalt und Menschenhandel seien, denn, so Konrad "Menschenhändler und ihre Kollaborateure suchen sich die anfälligsten Ziele aus."

"Halbe-Halbe"-Kampagne hat Spuren hinterlassen

"Keiner würde sich an eine dreiwöchige Kampagne erinnern, wenn nichts dahinter wäre", bemerkte Ex-Frauenministerin Konrad über die vor 10 Jahren gestartete Kampagne "Halbe-Halbe". Ihr sei es bei der Aktion Halbe-Halbe um die gerechte Verteilung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit gegangen, so Konrad. Es sei zwar einiges weitergegangen, allerdings sei "Halbe-Halbe" noch nicht erfüllt, nur weil das partnerschaftliche Prinzip im Ehe- und Familienrecht festgeschrieben sei. Vielmehr sei es auch um eine Ansage an die Wirtschaft gegangen, für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu sorgen. (Schluss) sw

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