ISPA: "Kraftakt für mehr private Internetnutzung nötig"

Internet-Experten diskutieren auf Initiative der ISPA aktuelle Trends in der Online-Welt

Wien (OTS) - Content (Inhalte) und technische Infrastruktur des Internet sind die beiden Faktoren, die die Richtung des Weges im Informationszeitalter wesentlich vorgeben. Beide Themen stehen heute, Mittwoch, im Mittelpunkt des von der ISPA veranstalteten Internet Summit Austria 2007 in der Wiener Hofburg.

Private Nutzung in Österreich hinkt hinterher

In Österreich habe man in der Zwischenzeit zwar mit einer theoretischen technischen Verfügbarkeitsrate von 98 Prozent bei Breitband-Internet beinahe den Plafond erreicht, der Zugang zu den Inhalten des Internet im privaten Bereich sei allerdings im internationalen Vergleich weiterhin bedenklich niedrig, erklärt Roland Türke, Präsident der ISPA (Internet Service Poviders Austria) anlässlich der Pressekonferenz zum Internet Summit Austria 2007.

"In den Niederlanden verfügen 86 Prozent der Haushalte über einen Internetanschluss, in Österreich ist es lediglich jeder zweite. Damit nehmen wir hierzulande den viertletzten Platz in der EU ein." Man befinde sich hierzulande zur Zeit in einem "Emotional Gap", also eine emotionalen Graben was den Zugang zum Internet und seinen Inhalten anbelangt, so Türke. Viele Menschen seien derzeit am Internet noch immer schlichtweg desinteressiert. Die Gründe hierfür könnten in Vorbehalten gegenüber einem vermeintlich komplizierten Medium liegen oder in mangelnder Sensibilisierung innerhalb der Gesellschaft.

Kraftakt erforderlich

"Wir stehen nun vor der gesellschaftlichen Herausforderung, jene Distanzierten anzusprechen, um so die positiven Effekte und Vorteile der Informationsgesellschaft in Zukunft voll ausschöpfen zu können", so der ISPA-Präsident.

Es bedürfe eines wahren Kraftaktes von Politik und Verwaltung, um diesen Rückstand aufzuholen. Die ISPA steuere zwar ihren Beitrag mit einer Fülle an Aktivitäten und Initiativen bei - nicht zuletzt auch mit öffentlich zugänglichen Veranstaltungen wie dem heutigen Summit. Ganz klar aufgerufen sei jedoch die Politik und die Verwaltung, die über die entsprechenden Ressourcen verfügten, gegen derartige Vorbehalte und Desinteresse anzukämpfen. "Wir stehen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite", bekräftigt Türke.

Internetbeirat - bitte warten?

Erste wichtige Schritte in diese Richtung hätten Politik und Verwaltung bereits in den vergangenen Jahren machen können: Die laut Telekommunikationsgesetz vorgesehene Einrichtung des Internetbeirats, der das nötige Know-How beisteuern könnte, lasse bis heute auf sich warten. Hier sei man leider seit Jahren säumig.

In Richtung Regulierungsbehörde richtet die heimische Internetwirtschaft den Appell, sich nach zehn Jahren, die primär dem Thema Marktöffnung gewidmet gewesen seien, nun der Diskussion über neue Themen im Bestreben nach optimalen Wettbewerbsbedingungen zu stellen.

Functional Separation - ein Modell für Europa?

Ein mögliche Maßnahme im Bestreben nach fairen Wettbewerbsbedingungen sei die beim beim diesjährigen Internet Summit diskutierte Trennung von Internet-Infrastrukur und -Diensten,, wie sie beispielsweise in Großbritannien durchgeführt worden sei, sagte Türke.

Nach der Gründung der Regulierungsbehörde Ofcom (Office of Communication) im Jahr 2003 wurde von dieser eine eineinhalbjährige Marktevaluierung samt entsprechender Studie durchgeführt, worin festgestellt wurde, dass solange der Marktbeherrscher die Möglichkeiten hat, wirtschaftlich zu diskriminieren, er dies auch tun wird. In weiterer Folge waren die politischen Entscheidungsträger zu dem Entschluss gekommen, dass sich die British Telekom (BT) von ihrer Telekom-Infrastruktur operational zu trennen hätte. Dies wurde in Verpflichtungserklärungen freiwillig eingegangen, wie wohl die Androhung einer strukturellen Trennung durch die britische Wettbewerbsbehörde im Raum stand.

Erste Erfolge zeigen sich

Dieses Modell der funktionalen Trennung wird nun seit mehr als eineinhalb Jahren in die Praxis umgesetzt. Laut Tom Kiedrowski, Strategy Manager bei Ofcom, mehren sich die Anzeichen, dass das BT-Modell nachhaltig erfolgreich sei. So habe die Trennung in Großbritannien zu einer neuen Investitions-Welle geführt, die in einen Preiskampf bei Breitbandangeboten gemündet sei und schließlich zu einer breiteren Palette an Breitband-Services geführt habe. Die Vorgangsweise der Auftrennung von Infrastruktur und Diensten sei interessanter Weise auch vom Finanzmarkt positiv bewertet worden:
Entgegen allen Befürchtungen sei seit damals auch der Aktienkurs von BT deutlich gestiegen.

Für Kiedrowski ist das Modell der Functional Separation ein Modell, das prinzipiell für alle Regulatoren innerhalb der Europäischen Union eine realistische Option darstellt. Jedoch will er das nicht als generelle Empfehlung verstanden wissen. "Jede Regulierungsbehörde hat die Möglichkeit, die entsprechenden nationalen Analysen durchzuführen und dann individuell zu entscheiden", so der Ofcom-Experte.

Auf dem Weg zum "Evernet"

Nach Axel Schmiegelow, CEO der erfolgreichen Video- und Foto-Plattform sevenload.com, wird der Begriff des Internet in den nächsten Jahren generell einer starken Veränderung unterzogen sein. Derzeit werde das Internet vielfach als eine "Ansammlung von Seiten" verstanden, die man sich über eine Telefonleitung (DSL) am PC anschauen kann. "In zehn Jahren wird uns dieses begrenzte Verständnis des Internet so antiquiert vorkommen wie ein Transistorradio von 1936. Wir entwickeln uns zum "ubiquitären Netz", zum "Evernet", zum "Internet der Dinge", bei dem alle Endgeräte, für die dies nützlich sein kann, das gesamte mediale Angebot der Menschheit über eine Vielfalt von terrestrischen, Funk- und sonstigen Netzen zugänglich machen", so Schmiegelow.

Interaktive Medien schaffen neue Werbeformate

Das audiovisuelle Internet in Verbindung mit den Werkzeugen des Web 2.0 könne in Zukunft das alte Versprechen des Internet einlösen, ein wirklich interaktives Medium zu schaffen, das neue Werbeformate ausliefert, die so relevant und nützlich für den Nutzer sind, dass diese auch nicht mehr als lästige Werbung empfunden würden. Der Konsument könne mit Hilfe audiovisueller, interaktiver Techniken in seiner Entscheidungsfindung und Meinungsbildung unterstützt werden, indem er u.a. nach eigenem Bedarf andere Konsumenten fragen kann, sich über jede Produkteigenschaft anschaulich informieren und seinen werblichen Medienkonsum seinem Informationsbedürfnis anpassen kann. Das entscheidende Stichwort in diesem Zusammenhang ist "On Demand statt Broadcast", so Schmiegelow.

Youtube-Google-Deal als Katalysator

Die bereits jetzt bestehenden Möglichkeiten der Vermarktung, nämlich Werbeerlöse, Lizenzen und E-Commerce-Provisionen, ließen sevenload.com seit ihrem Start rasch wachsen: Nach der Gründung des Unternehmens im November 2005 durch Ibrahim Evsan erfolgte bereits ein halbes Jahr später, im Mai 2006, der Betalauch. Innerhalb kürzester Zeit stieg die Userschaft rasant an. Nach dem Youtube-Google-Deal herrschte ein enormes Investoren-Interesse. Im März 2007 entschied man sich schließlich für die Zusammenarbeit mit dem Burda-Verlag. Inzwischen werden über die Plattform mehrere Millionen Videominuten pro Monat ausgestrahlt. Insgesamt haben sich mehr als 300.000 Nutzer registriert.

Abseits des wirtschaftlich positiven Entwicklung ist für Schmiegelow aber auch ein Punkt von zentraler Bedeutung: "Nämlich, dass dringende gesellschaftliche Fragen, wie beispielsweise die Nachhaltigkeit unserer Wirtschaftsordnung, besser beantwortet werden können."

Über die ISPA:

Die ISPA - Internet Service Providers Austria - ist der Dachverband der österreichischen Internet Service-Anbieter und wurde im Jahr 1997 als eingetragener Verein gegründet. Ziel des Verbandes ist die Förderung des Internet in Österreich und die Unterstützung der Anliegen und Interessen von derzeit mehr als 200 Mitglieder aus Bereichen wie etwa Access, Services, Hosting und Content. Die ISPA versteht sich als Interessensvertretung und Sprachrohr der österreichischen Internet-Wirtschaft gegenüber Regierung, Behörden und anderen Institutionen, Verbänden und Gremien und fördert die Kommunikation der Markt-Teilnehmer untereinander.

Nähere Informationen zum Internet Summit Austria 2007, einer Veranstaltung der ISPA, finden sich auch unter www.internetsummit.at

Der gesamte Internet Summit Austria 2007 wird im Internet live unter www.internetsummit.at übertragen.

Rückfragen & Kontakt:

Andrea Cuny-Pierron
ISPA Internet Service Providers Austria
Tel.: +43 1 409 55 76
malto:andrea.cuny-pierron@ispa.at
http://www.ispa.at
http://www.internetsummit.at

Mag. Stefan Walitza
ACCEDO Austria GmbH
Tel.: +43 .1. 533 87 00-13
Mobil: 0699 30102-13
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http://www.accedo.cc

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