"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nicht-Schutz für Nichtraucher ist Eigentor der Ministerin" (von Claus Albertani)

Ausgabe vom 08.09.2007

Graz (OTS) - Wer hoch steigt kann tief fallen. Diese alte Weisheit kann derzeit Gesundheitsministern Andrea Kdolsky in vollen Zügen genießen. Durch ihr Auftreten, aber auch mit ihren ungewöhnlichen Zugängen zu Themen war sie in den ersten Wochen ihrer Ministerschaft der Star in der ÖVP-Mannschaft. Keine Zeitung, kein Magazin konnte ohne Kdolsky-Story erscheinen. Ihr ungeniertes Auftreten trug neben ihren für die ÖVP mehr als ungewöhnlichen Ansichten zu ihrer Popularität bei - schnell zählte sie zu den bekanntesten Ministern.

Während andere Regierungsmitglieder - vor allem deren Pressesprecher - neidvoll auf Kdolsky blickten, äußerten Marketing-Experten hinter vorgehaltener Hand erste Zweifel, wie lange diese Strategie denn durchzuhalten sei.

Seit kurzem erhalten wir fast täglich die öffentliche Antwort auf diese Frage: Man landet sehr unsanft auf dem Hintern. In dieser Situation versucht Kdolsky zuerst die Flucht nach vorne. Mit der Vermarktung ihrer Scheidung und der neuen Liebe waren die Klatschspalten das Ziel - aber der Absturz in eine tiefe politische Gletscherspalte das Ergebnis.

Seither versucht Kdolsky, mit hektischen Aktivitäten dort Fuß zu fassen, wo sie eigentlich zu hause sein sollte - in der Politik. Aber weil sie dort - siehe Gesellschaftsspalten - noch nie wirklich zu Hause war, endete auch dieser Fluchtversuch mit einer blutigen Nase. Ihre banalen Sager, wie denn in der Gesundheitspolitik Millionen einzusparen seien, führten zu einigen laschen Abwehrreaktionen, nicht mehr.

Die alten Hasen in der Spitalspolitik hatten sofort erkannt, dass hier kein Gegner mit Format oder gar mit politischem Gewicht auf der Gegenseite stand. Mitleid war noch die stärksten Emotionen.

Jetzt, beim geplanten Schutz der Nichtraucher, zeigte sich die Schwäche der Ministerin in voller Brutalität: Sie ging schon in die Knie, ehe sich der Widerstand formierte. Dass ein Gesetzesentwurf von den Betroffenen, den Vertretern der Wirte, schon begrüßt wird, bevor es beschlossen ist, zeigt das wahre Ausmaß der Bankrotterklärung Kdolskys.

Der Schutz der Nichtraucher an öffentlichen Plätzen hat für Kdolsky keine Bedeutung. Sie kennt derzeit nur ein Ziel: ihr Überleben als Ministerin. Sie kann als Familienministerin ebenso wenig mit positiven Ergebnissen aufwarten wie als Gesundheitsministerin. Also versucht sie sich parteiintern abzusichern. Der Jubel jener Gastwirte, die für Nichtraucher nichts übrig haben, wird nicht reichen. Kdolskys Tage werden bereits gezählt. ****

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