Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Automaten-Glaube

Wien (OTS) - Der Automaten-Glaube

Der Automaten-Katholizismus funktioniert nicht so recht. Auch wenn er für viele Menschen den Kern ihres Glaubens auszumachen scheint:
Man wirft oben ein paar Gebete ein und schon kommt unten das Gewünschte heraus - etwa besseres Wetter für kirchliche Großereignisse wie den Papstbesuch oder davor den Europäischen Katholikentag. Oder funktionierende Mikrophone für eine Papstansprache. Wie auch immer man zur Kirche stehen mag: So einfach geht das jedenfalls nicht.

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Die Grenzen zwischen Staat und Kirche sind schwierig zu finden. Jede Seite versucht immer wieder, sie zu überschreiten: Die Kirche etwa derzeit bei der Frage, wer am Sonntag arbeiten darf/muss und wer nicht; nichtchristliche Politiker, wenn sie Vorgaben an die Kirche in Hinblick auf die Rollen von Mann und Frau zu machen versuchen; oder ORF-Moderatorinnen, welche die Kirche in eine Demokratie verwandeln wollen.

Um diese Grenzen wird im Grund seit 2000 Jahren gerungen. Von der antiken Christenverfolgung über das Staatskirchentum, die mittelalterliche Zweischwerter-Kontroverse, das "Cuius regio, eius religio", die neuzeitlichen Christenverfolgungen im Kommunismus und Nationalsozialismus, bis zum Versuch einer Trennung von Kirche und Staat.

Nun, vielleicht könnten beide Seiten ihr Verhältnis künftighin gelassener sehen: Die christlichen Kirchen sollten sich der Worte ihres Gründers erinnern, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, wo man ja dem "Kaiser" das geben solle, was diesem gebührt; sie haben sich auch schon allzu oft bei konkreter Einmischung in die Dinge der Welt die Finger verbrannt. Was nicht heißt, dass sie sich etwa bei Verstößen gegen die zehn Gebote verschweigen müssten oder dürften.

Die Politik wiederum sollte darauf verzichten, kirchliche Angelegenheiten zu thematisieren, sie sollte froh sein, dass sie in den Gläubigen Bürger hat, die nachgewiesenermaßen gesetzestreuer sind und gesünder leben als der Schnitt. Was nicht heißt, dass der Staat auch nur eine Sekunde mit dem energischen Eingreifen zögern dürfte, wenn religiöse Strukturen - wie im heutigen Islam - von Terroristen benutzt werden; oder wenn Gläubige gar zum Terrorismus hingeführt werden.

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