"Jede Arbeit ist besser als keine" - Ergebnis DSE Sommergespräch 2007

Sollen benachteiligte arbeitslose Menschen nur "bewegt" werden?

Wien (OTS) - Das DSE Sommergespräch vom 06.09.2007 "Am Weg zu Vollbeschäftigung? Ende für geförderte Beschäftigung oder Chance für mehr Qualität statt Quantität?", mit den Podiumsgästen Univ.-Doz. Magª. Dr. Gudrun Biffl (WIFO), Dr. Gernot Mitter (AK Wien), NR Karl Öllinger (Die Grünen), DSA Heimo Rampetsreiter (DSE-Wien) und Moderator Thomas Rottenberg (Standard/Puls tv), hat in Bezug auf "haben Menschen mit Benachteiligung Rechte auf Arbeit?" neue Perspektiven und Sichtweisen geöffnet.

Ziel ist es doch, im Leben tagtäglich zur Arbeit zu gehen, um seine Existenz zu sichern. In Österreich könnte man glauben, sei dies nicht wichtig. "Derzeit sind 20% der Menschen mit Vollbeschäftigung nicht in der Lage durch den Job alleine, ihr Leben zu finanzieren. Sie sind abhängig von zusätzlichen staatlichen Zuschüssen", betont Dr. Gernot Mitter.

Die Diskussionsrunde stellte sich einige Male die Frage, ob Vollbeschäftigung nicht doch auch ein Stück "schön reden" ist. "1973 waren nur 37.000 Menschen in Österreich arbeitslos. Wir befanden uns in der Industrialisierungsphase und gesellschaftlich waren die Männer die Hauptverdiener und die Dauerangestellten - ein überholtes Modell. Durch die Globalisierung haben sich zudem die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Nicht mehr nur das Produkt zählt, die Dienstleistung hat einen neuen Stellenwert. Es benötigt ein anderes Konzept der Vollbeschäftigung", so Univ.-Prof. Maga. Dr. Gudrun Biffl. "Die damalige Arbeitslosenzahl, die sehr gering war, hat sich ergeben, weil Menschen auf den Sprung in einen neuen Job waren. Diese "natürliche" Arbeitslosigkeit wird nicht verschwinden", bekräftigt Karl Öllinger. "In Österreich sind zurzeit aber 318.205 (inkl. 58.817 in Schulungen) Menschen ohne Arbeit und da von Vollbeschäftigung zu sprechen klingt zynisch."

"Mit einer befriedenden Arbeit steigt auch der Selbstwert", darüber waren sich die Experten einig. Sollen am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen jede Arbeit annehmen, obwohl die Qualifizierung anders ist als der "verpflichtende" Job? Diesen Job dann auch noch ein Leben lang ausüben? Nein, weil meist der Erfolg nur begrenzt ist. Menschen mit Benachteiligung benötigen als ersten Schritt einen Job, der nicht ganz mit der Qualifizierung übereinstimmen kann, aber zumindest wieder einen geregelten Tagesablauf bietet und die vorhandenen Potentiale fördert. Diese "Übergangsphase" und "Integrationsphase" sollte nicht ewig dauern. Die Beschäftigungsprojekte sind der Sprung in die freie Wirtschaft. Sie bieten diese Anfangssicherheit. Und gerade diese Betriebe/Projekte werden immer wieder hinterfragt.

"Ein/e ArbeitnehmerIn, der/die in Integrationsprojekten war, rentiert sich für die öffentlichen Kassen nach 3-5 Jahren", so Herr Dr. Mitter. Diese Projekte arbeiten nachhaltig, effizient und leisten einen hohen Beitrag für eine gerechtere Gesellschaft. Sie achten, dass Menschen dort abgeholt werden, wo sie mit ihrem Können und sozialem Status im Moment stehen.

Einig waren sich alle, dass die Hauptverantwortung und finanzielle Last für die Weiterbildungsmaßnahmen nicht nur beim AMS liegen kann. Die Wirtschaft ist gefordert mehr für ihre zukünftigen ArbeitnehmerInnen im Bereich Personalentwicklung beizutragen. Es wurde auch festgestellt, dass in Wien bei Konzeptentwicklungen bezüglich "Arbeitsplätze für Menschen mit Benachteiligungen" die ExpertInnen aus NGOs nicht herbeigezogen werden. "Dieses Know-how können wir vom DSE-Wien anbieten und es wird dringend benötigt", so Heimo Rampetsreiter, Vorsitzender DSE-Wien.

Weitere Infos unter Heimo Rampetsreiter, DSE-Wien - Wiener Dachverband für Sozial-Ökonomische Einrichtungen, Telefon: +43 (01) 720 38 80, office@dse-wien.at , www.dse-wien.at

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