Marek: Arbeitsrechtlicher Missbrauch des Modells Praktikum abzulehnen

EU-Qualitätscharta zur Bekämpfung des Sozialdumpings bei Praktika zu begrüßen

Wien (OTS) - "Wir wollen keine 'Generation Praktikum', wir wollen vielmehr das unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis wieder stärker als Standard für unsere Jugend", erklärte heute Staatssekretärin Christine Marek zu der von EU-Kommissar Spidla vorgeschlagenen EU-Qualitätscharta, um Sozialdumping bei Praktika einzudämmen. Jeglicher "Ausnutzung" von Jugendlichen müsse klar ein Riegel vorgeschoben werden, arbeitsrechtlicher Missbrauch des durchaus sinnvollen Modells Praktikum sei klar abzulehnen. Deshalb unterstütze sie auch die geplante EU-Qualitätscharta, bei der sich Unternehmen verpflichten können, keine regulären Stellen mit schlecht oder gar nicht bezahlten jungen Menschen unter dem Deckmantel des "Praktikums" zu besetzen und damit Sozialdumping zu betreiben. Diese Qualitätsstandards müssten allerdings praxistauglich sein, so Marek.

Rechtlichen Handlungsbedarf in Österreich sieht die Staatssekretärin allerdings keinen. Österreich sei hier im EU-Vergleich gut aufgestellt, verfüge doch Österreich aus arbeitsrechtlicher Sicht über ausreichende Schutzmechanismen. Schließlich zeichnen sich Praktika oder sogenannte Volontariate in der österreichischen Rechtslage dadurch aus, dass hier ausschließlich der Lernzweck im Vordergrund stehe und es keinerlei Arbeitsverpflichtung des Praktikanten gegenüber dem Arbeitgeber gebe. Sobald hingegen eine Arbeitspflicht verlangt werde, handle es sich um ein echtes Arbeitsverhältnis und müsse als solches geführt und per Dienstvertrag entsprechend vereinbart werden. Auch könne in Österreich ein befristetes Arbeitsverhältnis nur einmal verlängert werden. Nach einer Verlängerung der Befristung müsse das Arbeitsverhältnis in ein unbefristetes übergehen. Damit könne dem Missbrauch durch mehrfache Aneinanderreihung von Befristungen vorgebaut werden.

Die grundsätzliche Sinnhaftigkeit von Praktika dürfe jedoch nicht in Frage gestellt werden, so Marek. Praktika seien vor allem im Hinblick auf den Berufseinstieg essentiell, neben der theoretischen Ausbildung so früh wie möglich Erfahrungen in der Praxis und im Beruf zu sammeln. Schließlich begnüge sich heute kein Unternehmen mit lediglich theoretischem Wissen, sondern suche viel mehr Praktiker mit einem soliden theoretischen Background. Ein Praktikum könne auch wichtiger Gradmesser für die richtige Berufswahl und Berufsorientierung sein, so Marek. Die Staatssekretärin appelliert in diesem Zusammenhang auch an die Unternehmen, die Praxiserfahrung von jungen Menschen verlangen, auch selbst Praktikaplätze zur Verfügung zu stellen.

Eine ganze "Generation Praktikum" sieht Staatssekretärin Marek in Österreich nicht. Jene, die nach einem abgeschlossenen Studium, Fachhochschule oder sonstiger Berufsausbildung ein Praktikum absolvieren, würden nicht eine ganze Generation umfassen. Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems in Deutschland absolviert nur jeder achte FH- und jeder siebte Universitätsabsolvent nach dem Studium ein Praktikum. Hinsichtlich der Pflichtpraktika, die im Rahmen einer Ausbildung absolviert werden müssen, appelliert die Staatssekretärin an die Soziapartner, dort wo Pflichtpraktika auftreten, diese kollektivvertraglich sinnvoll zu regeln. Ein gutes Beispiel sei hier die Tourismusbranche, in der Pflichtpraktika auch im Kollektivvertrag klar geregelt sind.

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