WirtschaftsBaltt Kommentar vom 6. 9. 2007: Ost-Banken: Europameister Österreich - von Herbert Geyer

Der Vorsprung ist auf Jahre hin einzementiert

Wien (OTS) - Ein Siegerbild wie bei einem Herren-Abfahrtslauf:
Alle drei Stockerlplätze für Rot-Weiss-Rot. Und dabei geht es bei diesem Wettbewerb nicht darum, wer am schnellsten bergab kommt - eher im Gegenteil: Alle drei grössten Bankgruppen in Mittel- und Osteuropa segeln unter österreichischer Fahne. Hinter der italienischen UniCredit, die ihre Osteuropa-Aktivitäten ja grösstenteils in der Bank Austria gebündelt hat, folgen Erste Bank und Raiffeisen International auf den Plätzen.

Und daran wird sich - wenn nicht eine der Banken von einem ausländischen Mitbewerber übernommen wird, was ja speziell bei der Ersten immer wieder diskutiert wird -, nicht so bald etwas ändern:
Der Markt ist - zumindest ausserhalb Russlands - bereits fast vollständig aufgeteilt, es gibt daher kaum noch interessante Objekte zuzukaufen. Bank Austria, Erste und Raiffeisen haben sich somit für längere Zeit die Pole Position auf einem Markt gesichert, dessen Wachstumsaussichten jenseits aller Vorstellungen liegen.

Ein Beispiel nur: Während das Volumen der Privatkredite in der Eurozone rund 54 Prozent des jeweiligen BIP ausmacht, liegt der Vergleichswert im Osten und Südosten erst bei etwa einem Drittel. Bis dieser Rückstand aufgeholt ist, wird sich also das Privatkredit-Geschäft verdreifachen. Und bis es so weit ist, wird sich wohl auch die gesamte Wirtschaftsleistung der betroffenen Staaten zumindest verdoppeln, was noch einmal die Verdoppelung des Geschäftsvolumens bedeutet.

Kein Wunder, dass die Ostbanken-Studie von Raiffeisen International (siehe Bericht Seite 8) bis 2011 eine Verdoppelung der Märkte erwartet, schon 2016 steht dann die nächste Verdoppelung des Marktvolumens an.

Solche Erfolge tun natürlich der österreichischen Seele gut, die ohnehin immer wieder positive Überraschungsmeldungen braucht, um nicht der Depression anheim zu fallen - zumal hinter dem Erfolg der österreichischen Banken Tugenden stecken, die gemeinhin nicht gerade zu den österreichischen Stärken gezählt werden: Mut, unternehmerischer Weitblick und ein unbefangenes Verhältnis zur Grösse.

Es stimmt schon, dass dank einer erst vor 90 Jahren unterbrochenen Geschichte der Boden für österreichische Banken günstig war. Dass die Banker diese Chance erkannt und den Mut aufgebracht haben, sie zu nützen, bleibt trotzdem bemerkenswert.

Und ein Vorbild für andere Zweige der Wirtschaft, die mit Mut und Weitblick ebenfalls das Zeug haben, an der Spitze Europas zu stehen.

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