Andreas Unterbergers Tagebuch

Unangenehme Wahrheiten

Wien (OTS) - Unangenehme Wahrheiten

Der Bundespräsident hatte völlig recht: Die Pflichten aus der Neutralität - insbesondere die, sich allein und ohne Hilfe eines Pakts gegen militärische oder terroristische Übergriffe zu wehren -waren ein wichtiges Argument für den Kauf der Abfangjäger. Er trat damit steirischen VP-lern entgegen, die das Sommerloch mit dem Ruf nach Abschaffung der Neutralität zu füllen versucht hatten.

Der Bundespräsident als mutiger Schutzherr des Bundesheers: Das ist eine erfreuliche, wenngleich schon in der Verfassung stehende Perspektive.

Nur bleibt ein großes Rätsel offen: Wann und wo hat Heinz Fischer diese Rolle in den letzten Jahren wahrgenommen? Hat ein bösartiger Computer-Virus alle diesbezüglichen Reden aus dem Computer gelöscht? Oder aber hat der Bundespräsident die Notwendigkeit von Abfangjägern erst dann gesehen, als diese schon im Lande waren? Wenn das so sein sollte, dann hat das Staatsoberhaupt einen gewissen Erklärungsbedarf, wieweit seine Perspektiven staats- und nicht parteipolitische sind.

*

Mut zu unangenehmen Wahrheiten ist auch in kirchlichen Kreisen selten. Umso erfreulicher, wenn sich einmal ein hoher Kirchen-Exponent auch bewusst unpopulistisch äußert - freilich ist es einer aus Deutschland, nämlich der oberste deutsche Benediktiner, Notker Wolf. Er wagte zum Thema Arbeitslosigkeit den Gedanken zu äußern:
"Wir müssen jeden Einzelnen fragen: Bist du wirklich bereit, eine Arbeit anzunehmen, auch wenn sie schlecht bezahlt ist? Willst du dir deinen Lebensunterhalt selbst verdienen oder nicht? Auch ein Sozialhilfeempfänger muss sehen, dass er seinen Lebensunterhalt bald wieder allein bestreitet."

Nicht jeder Arbeitslose ist ein Tachinierer. Aber in Deutschland wie in Österreich zeigt sich immer deutlicher: Hinter den trotz vieler offenen Stellen noch immer hohen Arbeitslosenzahlen verbirgt sich ein erschreckend großer Anteil von Menschen, die gar nicht wirklich arbeiten wollen oder können. Weil sie schwarz arbeiten; weil sie von verstecktem Vermögen oder Zuwendungen leben; weil sie durch Arbeit kaum mehr verdienen könnten als durch den Wohlfahrtsstaat.

Das weiß ohnedies schon jeder? In den österreichischen Kirchen offenbar nicht.

http://www.wienerzeitung.at

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001