Reportage: Literatur-Happening rund um Marianne Fritz in Wien

"Der Unterschied wird nicht verschieden. Eine Haltlosigkeit" an Samstagen und Sonntagen im September

Wien (OTS) - Etwas schräg ist es vielleicht. Als Besucher der neuesten "Publikumsverschleppung" der Künstlergruppe "Fritzpunkt" sitzt man anfangs in einem Reisebus in Richtung Floridsdorf und hört diverse Läuterungsversuche in Sachen Entweder-Oder. "Wir nehmen Sie mit auf eine Reise. Sie können entweder mitkommen, oder nicht. Aber bereuen werden Sie beides", tönt es aus den Lautsprechern. Das ist nicht unbedingt eine aufmunternde Einleitung für eine Literaturveranstaltung mit unbekanntem Ablauf. Aber dramatisch, soviel steht fest.

Schutthaufen und zertrümmerter Beton

Mit Funkgeräten, Schutzbrillen und Sitzpölstern ausgestattet, wird man an einem 70.000 m2 großen Recycling-Gelände am Rendezvousberg rausgelassen. Zögernd spazieren die Zuschauer durch Hügel von zermahlenem Ziegel, zertrümmertem Beton und gesiebter Erde. Da entdeckt man auch schon einen der angekündigten Schauspieler auf einem dieser Hügel. In weiß gekleidet und ernster Miene blickt er ins Leere.

"Er kaufte nichts, sie ging nicht tanzen. Aber sie trafen sich wieder. Am nächsten Markttag war er schon wieder da", dröhnt es aus einem der Funkgeräte. Nach und nach schallen Texte dieser Art aus jedem der Geräte. Es sind Texte aus Marianne Fritz's Roman "Naturgemäß I". Man schlendert vereinzelt durch das Gelände. Manche machen es sich bequem auf einem Schutthaufen, andere spazieren unaufhaltsam weiter. Einige Mutige erklimmen einen der Hügel, um eine interessantere Perspektive zu gewinnen. Hin und wieder verirrt sich ein verdutzter Radfahrer in die Aktion.

Darsteller tragen unterschiedliche Passagen vor

Vier Schauspieler gehen von Hügel zu Hügel und lesen Bruchstücke des mehrere tausend Seiten umfassenden Buchs, wie zum Beispiel "Es gibt kein Dann. Wenn er versteht ist sie dankbar. Wenn nicht, dann."

Nach rund zwei Stunden geht es für alle in einen Container. Noch eine gute Stunde verfolgt man in einer etwas intimeren Atmosphäre das Ende der Veranstaltung. Die Funkgeräte sind nun "still", nur die Darsteller komplettieren die Aktion mit weiteren Textstücken.

Rätsel um "die Frau mit den ungleichen Füßen"

Schon während des Happenings bleibt dem Besucher Zeit für Reflexionen. Man versucht Zusammenhänge in dem Textgewirr zu entdecken, was deutlich schwer fällt. Marianne Fritz ist schließlich keine Autorin gefälliger Popliteratur, sondern herausfordernder Sprachkunst. Deshalb ist sie wohl eher in Germanistenkreisen ein Begriff. "Fritzpunkt" schafft es dennoch den Besuchern das Werk "Naturgemäß I" näher zubringen. Man könnte die Veranstaltung auch als "Lesung für Faule" bezeichnen, denn wer will schon tausende Seiten sperriger Texte lesen? Durch das Happening kommt man aber auf den Geschmack. Schon allein um herauszufinden, was es mit der in mehreren Textstücken erwähnte "Frau mit den zwei ungleichen Füßen" auf sich hat.

Zur Autorin Marianne Fritz

Marianne Fritz wurde 1948 in der Steiermark geboren. Die letzte öffentliche Lesung der menschenscheuen Autorin fand im Jahr 2001 im Rahmen des Kafka-Preises statt. Ihr mehrbändiger Roman "Dessen Sprache du nicht verstehst" umfasst 3.392 Seiten, die zwei Werke "Naturgemäß I" und "Naturgemäß II" kommen gemeinsam auf 7.000 Seiten. (alle erschienen im Suhrkamp Verlag)

Veranstalter "Fritzpunkt" - Termine im September

Seit fünf Jahren veranstaltet das Stadt Theater Wien ( www.stadttheaterwien.at/ ) mit dem Projekt "Fritzpunkt" Lesereihen, Vorträge, Aktionen im öffentlichen Raum und Theateraufführungen rund um die Werke der österreichischen Autorin Marianne Fritz. So auch in ihrer neuesten Veranstaltung "Der Unterschied wird nicht verschieden. Eine Haltlosigkeit", die jeweils an Samstagen und Sonntagen im September stattfindet (8., 9., 15., 16., 22., 23., 29. und 30. September). Los geht es mit einem Bus, der an den Spieltagen jeweils pünktlich um 13:00 Uhr vom Universitätsgebäude (1., Ecke Rathausplatz/ Dr.-Karl-Lueger-Ring) aus abfährt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Festes Schuhwerk und dem Wetter entsprechende Kleidung werden empfohlen. Durch die limitierte Platzanzahl ist eine Reservierung erforderlich. (Tel.: 01/877 25 17; Mobil: 0699-1 168 56 16; E-Mail: buero@fritzpunkt.at)

o Nähere Infos auch unter www.fritzpunkt.at/

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) red

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