"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nachprüfungen: Kapitulation schon beim ersten Kräftemessen" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 04.09.2007

Graz (OTS) - Die Ferien gehen zu Ende - und das auch noch früher als gewohnt. Nachgeprüft wird schon Ende dieser Woche, am Montag beginnt in den Gymnasien und Berufsbildenden Höheren Schulen der Unterricht. Pronto.

Aber, keine Angst hochgeschätze Pädagogen und liebe Schüler, die verkürzten Ferien werden eine einmalige Ausnahme bleiben: Nächsten Herbst finden die Nachprüfungen an allen Schulen wieder in der zweiten Septemberwoche statt. Dann stoßen die Nachprüflinge erst am Mittwoch zu ihrer alten - oder neuen - Klasse, was Sensibelchen als Schmach empfinden könnten. Und die Stundenpläne werden wohl erst danach endgültig festgelegt.

Damit macht Unterrichtsministerin Claudia Schmied eine Errungenschaft ihrer Vorgängerin nach nur einem Jahr wieder rückgängig.

Ist doch egal? Was sind schon zwei Tage mehr oder weniger Urlaub angesichts der großen bildungspolitischen Entscheidungen, die jetzt anstehen? Sie zeigen, dass sich Schmied beim ersten Kräftemessen der Gewerkschaft der AHS-Lehrer beugt. Wenn sie schon bei diesem harmlosen Test versagt, wie will sie dann die Gesamtschule durchbringen? Das ist im Vergleich dazu wie 27 Schularbeiten und mündliche Lateinmatura in einem.

Zugegeben: An der Gewerkschaft bissen sich auch sämtliche Vorgänger Schmieds die Zähne aus - ob Sturköpfe wie Elisabeth Gehrer oder Visionäre wie Erhard Busek.

Auf Schmied durfte man jedoch kurz hoffen: Wie sie ihren Parteichef und Erfinder Alfred Gusenbauer am Boulevard ausrutschen ließ, als sie sich die Staatsoperndirektoren einfach selbst aussuchte! Aber der Bundeskanzler ist im Vergleich zu Eva Scholik, Vertreterin der AHS-Lehrer, offenbar ein Jausengegner.

Und die Christgewerkschafterin hat viele Argumente gegen die Gesamtschule auf Lager: Diese Gleichmacherei sei pädagogisch zweifelhaft und der ganze Spaß ohnehin nicht finanzierbar, denn, dass Hauptschullehrer mit geringerem Lohn neben Gymnasiallehrern arbeiten - sicher nicht!

Vielleicht ist ja genau das der Grund dafür, dass sich Schmied so auf ihr großes Lieblingsprojekt konzentriert - und darüber vermeintliche Kleinigkeiten wie einen sauberen Start ins Schuljahr oder überfüllte Klassen vergisst. Wenn die Kinder nächste Woche durchzählen, werden sie in vielen Klassen jedenfalls nicht - wie versprochen - bei 25 durch sein.

Schafft Schmied in diesen beiden Disziplinen den Nachzipf, dann klappt' s vielleicht doch noch mit der Mündlichen in Latein. ****

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