WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4. 9. 2007: Was lernen wir aus der Subprime-Krise? - von Herbert Geyer

In den USA werden Theorien propagiert - in Europa umgesetzt

Wien (OTS) - Die USA sind das gelobte Land all jener Wirtschaftstheoretiker, die für ein möglichst ungehemmtes Wirtschaften eintreten - spätestens seit Ronald Reagans Reaganomics.

Spätestens seit Reagans Regierungszeit kennen wir aber auch einen ganz wesentlichen Unterschied im Umgang mit diesen monetaristischen Theorien zwischen den USA und Europa: Dort werden sie propagiert -hier wirklich umgesetzt.

Denn bekanntlich scherte sich schon Reagan selbst wenig um seine zentrale Regel - durch Senkung der Staatsausgaben (und Zurückdrängen des Staatseinflusses) Geld frei zu bekommen für die Sanierung des Staatshaushaltes bei gleichzeitiger Senkung der Steuern: Seit Reagans Tagen steigt das US-Defizit - mit einer kurzen Unterbrechung ausgerechnet unter dem Demokraten Bill Clinton - munter weiter an, während die Europäer durch die Senkung ihrer Haushaltsdefizite ihre schöne Konjunktur des Jahres 2000 in Grund und Boden fuhren.

Dafür fällt den Amerikanern stets, wenn irgendwo ein Problem auftaucht, eine Lösung ein, wie der Staat dieses Problem lösen kann -von den massiven Staatsausgaben zur Überwindung der Depression von 2001 über protektionistische Schutzzölle für Stahl und andere Waren bis zu den jüngsten Ankündigungen Präsident George W. Bushs, zur Überwindung der Immobilienkrise Haftungen der staatlichen Federal Housing Administration für Kreditnehmer zur Verfügung zu stellen, die ihre Raten nicht mehr bezahlen können. Für Kredite, die vor allem zu Konsumzwecken aufgenommen wurden.

Apropos Subprime-Krise: Auch das in Europa so umstrittene Abkommen Basel II zur Verminderung der Kreditrisiken, das eine solche Krise eigentlich verhindern sollte, wurde bekanntlich vor allem auf Betreiben der USA abgeschlossen - und vor allem von den Europäern auch tatsächlich umgesetzt.

Was lernen wir aus alledem? Zum einen, dass wir nicht jede Theorie unüberprüft übernehmen sollten, die in den USA breit propagiert wird. Zumindest sollten wir zuwarten, ob sie dort auch umgesetzt wird und wie sie sich dabei bewährt.

Zum anderen ist Vorsicht bei Investments in den USA angebracht -einem Land, das sich offensichtlich nicht einmal an jene Abkommen zu halten gewillt ist, die es selbst initiiert hat.

Und schliesslich sollten wir uns an die alte Tugend erinnern, dass Kredite ein gutes Mittel für Investitionen sind - der Konsum aber sollte tunlichst aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden.

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