"Closeness vs Dislocation - Contextualising Net-Based Art" am 10. September in Linz

Konferenz des Ludwig Boltzmann Institut Medien.Kunst.Forschung. beim Festival Ars Electronica 2007

Linz (OTS) - Seit den 1990er Jahren erweitert sich das Feld der Medienkunst um das Genre der Netzkunst. Explorierend und impulsgebend, die Grenzen des Mediums und des Kunstbegriffs kritisch auslotend wie überschreitend - und trotzdem oftmalig für obsolet erklärt. Die Konferenz "Closeness vs Dislocation - Contextualising Net-Based Art" findet am 10. September von 13.30 - 19 Uhr in der Kunstuniversität Linz/K2 im Rahmen des Festival Ars Electronica (5.-11. September) statt. Sie versucht Internetkunst in einen notwendigerweise interdisziplinären Kontext der Medienkunstforschung zu stellen. Neben der mediengeschichtlichen Aufarbeitung der Entstehung des Mediums Internet und den daraus folgernden Auswirkungen auf künstlerische Schaffensprozesse erörtern die Vortragenden kunsthistorische Zusammenhänge zwischen netzbasierten und traditionellen Kunstformen.

Den Beginn macht Ted Nelson mit "Unifying Future Media", er stellt das Konzept für ein wandlungsfähiges und vereinigendes Datensystem aus Text, Bild und Video mit gemeinsamen Visualisierungen vor.

Lev Manovich präsentiert mit "Die unbegrenzte Ausdehnung" eine kurze Kulturgeschichte der langsamen Verwandlung des Computers in eine Maschine zur Mediensimulation sowie der Erfindung neuer Medien. Sich stets verändernde und ausdehnende Medienmöglichkeiten sind kulturell wichtiger als Inhalt geworden.

In der Folge beschreibt Marc Ries mit "Die Kunst des Teilens" die Entwicklung von der frühen Netzkunst zum Web 2.0 und die Bedeutung sowohl der Teilung von Inhalten, als auch von Partizipation.

Charlie Gere wiederum zeigt in "Netz-basierte Kunst und die Galerie" auf, wie sich das Verhältnis zwischen netzbasierter Kunst und traditionellen Kultureinrichtungen wie Galerien und Museen verändert.

"Warum ich nie zu einer Netzkunsthistorikerin geworden bin" erklärt Verena Kuni und diskutiert in ihrem Vortrag eine Reihe methodologischer, technologischer sowie ökonomischer und kontextbezogener Probleme bei der systematischen Beschäftigung mit den Entwicklungen in diesem Feld kultureller Produktion.

Julian Stallabrass stellt in seinem Vortrag die Frage "Kann die Kunstgeschichte das Netz erschließen?" und erläutert, dass sich für Fotografie und Video am Anfang ähnliche Probleme stellten.

Gunther Reisinger präsentiert mit "Symbiotic methods. Interdisciplinary approaches towards net-based art" ein Forschungsprojekt des LBI Medien.Kunst.Forschung zur Integration netzbasierter Kunst in den kunstwissenschaftlichen Kontext. Anhand des Teilprojekts "netzpioniere.at" wird eine Online-Edition internetbasierter Kunst als angewandte Grundlagenforschung verstanden - zur Evaluierung der theoretischen Überlegungen an konkreten Fallbeispielen.

Dieter Daniels, Leiter des LBI Medien.Kunst.Forschung, beschreibt in seinem Vortrag "Digital Heritage" einen von den etablierten Kulturinstitutionen ignorierten Bereich, dem sich das Institut widmet: Auf dem Kunstmarkt werden etablierte Formen der Medienkunst (Videoinstallation etc.) mittlerweile museal mit großem Aufwand konserviert, während die kunsthistorisch und zeitgeschichtlich ebenso bedeutungsvolle Netzkunst nach wie vor außerhalb der kunstgeschichtlichen Evaluationskriterien liegt.

Das 2005 gegründete Ludwig Boltzmann Institut Medien.Kunst.Forschung. in Linz hat sich zur Aufgabe gesetzt, diese verhältnismäßig junge Spielart der Medienkunst in kunstwissenschaftliche Forschungsabläufe zu integrieren, hierzu werkspezifische Beschreibungsformen zu entwickeln und bestehende quellentheoretische Ansätze miteinander zu kombinieren. Aufgabe des Instituts ist es insbesondere, die im Archiv der Ars Electronica gesammelten digitalen Kunstwerke bzw. deren Dokumentation wissenschaftlich zu erschließen. Durch die Bündelung von Wissenschaft, Kunst, Technologie und Kulturvermittlung erhält die Beschäftigung mit unserer digitalen Umwelt eine neue Dimension.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft: Die 1961 gegründete Ludwig Boltzmann Gesellschaft (benannt nach dem großen österreichischen Physiker, Mathematiker und Philosophen) ist eine private Trägerorganisation für Forschungseinrichtungen (Institute und Cluster) in Österreich und befasst sich mit medizinischen sowie geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Die aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierte LBG untergliedert sich in Institute und Forschungscluster und beschäftigt insgesamt mehr als 260 Personen.

Service:

Informationen zur Presse-Akkreditierung für das Festival Ars Electronica finden Sie hier:
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Tickets für Gäste können hier erworben werden:
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