Schlägt die Milchpreiserhöhung bis zu den Kühen durch?

VGT fragt: wer vertritt die Interessen der Milchproduzentinnen, nämlich der Kühe, im Poker um den Milchpreis?

Wien (OTS) - Der Milchpreis steigt. Offenbar in erster Linie wegen der gesteigerten Nachfrage am chinesischen Markt. Höhere Preise bedeuten Mehreinnahmen. Doch wer bekommt sie? Interessensvertretungen von Handel, Molkereien und Bauernschaft treffen aufeinander, um das Geld aufzuteilen. Kürzlich fanden sich 15.000 Bauern und Bäuerinnen zur Demo in München ein, um darauf zu bestehen, einen Anteil der Mehreinnahmen zu bekommen. Die Milchpreiserhöhung schlage nicht bis zur Bauernschaft durch, wurde moniert, und die Bevölkerung solidarisierte sich. Diejenigen, die die Arbeit leisten, sollen auch das Geld bekommen.

Der VGT erkennt in dieser Diskussion das zentrale Problem des Tierschutzes. VGT-Obmann DDr. Martin Balluch: "Von allen Medien und allen KommentatorInnen wird geflissentlich übersehen, dass die Kühe doch die einzig wirklichen Produzentinnen der Milch sind. Sie leisten mit Abstand die meiste Arbeit, ihnen sollte daher auch der Löwenanteil des Gewinns durch die Milchpreiserhöhung zufallen. Aber die Interessen der Milchkühe sind im Poker um den Milchpreis nicht repräsentiert."

Tiere gelten als Sachen, Kühe als Milchmaschinen. Sachen haben keine Interessen, die vertreten werden müssten, sie können nach herkömmlicher Diktion nicht ausgebeutet werden, weder durch Produktionssysteme noch durch Menschen, die von ihrer Arbeit profitieren.

DDr. Balluch sieht darin die Crux: "Natürlich sind Tiere keine Sachen, sondern Lebewesen mit Gefühlen. Natürlich kann man sie daher auch missbrauchen und ausbeuten, man kann ihnen aus Gewinnsucht das vorenthalten, was ihnen zusteht. Natürlich haben auch Kühe Interessen, an einem artgerechten Leben, an stabilen sozialen Beziehungen, an Freiheit. Jeder vernünftige Mensch wird hier zustimmen. Aber daraus den logischen Schluss zu ziehen, dass auch die Kühe eine Interessensvertretung brauchen, die über den Milchpreis und die Produktionsbedingungen mitverhandelt, fällt den meisten nicht ein. Die Bauernschaft kann nicht die Interessen der Kühe vertreten. Seit wann vertreten die Firmenchefs die Interessen ihrer Arbeiterschaft? Erst wenn der Tierschutz konsequent zuende gedacht wird, und auch die Interessen der Kühe hochoffiziell vertreten sind, kann es überhaupt Gerechtigkeit und ein Ende der Tierausbeutung geben."

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DDr. Martin Balluch, Tel.: 0676-720-39-54

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