WirtschaftsBlatt Kommentar vom 31. 8. 2007: MOL-Übernahme wird zum Match Ost gegen West - von Angelika Kramer

CEZ wird der OMV das Leben schwer machen

Wien (OTS) - Das hat der OMV gerade noch gefehlt: Die Vorzeichen für eine Übernahme der ungarischen MOL durch den österreichischen Öl-und Gaskonzern standen in den letzten Monaten ohnehin nicht allzu gut, da steigt ausgerechnet Österreichs härtester Gegner, Tschechien, auch noch in den Ring. Wie gestern bekannt wurde, verhandeln die Ungarn nämlich mit dem tschechischen Energieversorger CEZ über den Kauf eines Aktienpakets an der MOL bzw. über eine tiefergehende Kooperation.

Mit dieser Aktion verpassen die Ungarn der OMV wohl die schallendste Ohrfeige in einer langen Reihe von Tiefschlägen: Zuerst heckt das MOL-Management einen gross angelegten Aktienrückkauf aus, dann feilt die ungarische Regierung an einem Gesetz, das Übernahmen heimischer Unternehmen durch ausländische Konzerne verhindern soll und kürzlich liess der MOL-Chef die Öffentlichkeit wissen, dass ihm praktisch alle Partner lieber wären als die OMV.

Die in Aussicht gestellte Hereinnahme der CEZ als Aktionär in die MOL verleiht dem Übernahmeschaukampf aber eine neue Dimension: Denn ebendiese CEZ ist es, die auf Kriegsfuss mit Österreich steht, ist sie ja auch der Betreiber des Atomkraftwerks Temelin, das Österreich seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge und Gegenstand einiger Klagen ist. Damit ist sicher: Die OMV wird ihres Aktionärslebens bei der MOL nicht mehr froh, die Übernahmepläne der Österreicher dürften damit in weite Ferne gerückt sein.

Diese solidarische Abneigung der ehemaligen Ostblockländer gegen österreichische Konzerne kommt nicht von ungefähr. Neben allerlei geschichtlichen Altlasten hat die OMV sicher selbst viel Schuld auf sich geladen, indem sie nicht gerade feinfühlig bei den Ungarn mit der Tür ins Haus fiel. Auch ein Blick nach Rumänien zur OMV-Tochter Petrom lässt unschwer erkennen, dass das diplomatische Gespür gelegentlich zu wünschen übrig liess. Ganz allgemein hört man aber aus osteuropäischen Ländern immer wieder, Österreicher, aber auch Deutsche, träten dort mit einer Arroganz und Selbstverständlichkeit (Motto: Wir zeigen denen, wo's langgeht) auf, die vielen missfällt. Dies musste zuletzt auch die Wiener Börse in ihrem Bestreben, der Kopf einer Ostbörsen-Holding zu werden, leidvoll zur Kenntnis nehmen. Diese Ressentiments, die sich auf beiden Seiten auftürmen, könnten dazu führen, dass ein neuer eiserner Vorhang Europa spaltet - und das wollen wir doch alle nicht.

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