"Kleine Zeitung" Kommentar: "Verunsicherte Konsumenten - alleingelassen vor den Regalen" (Von Helena Wallner)

Ausgabe vom 30.08.2007

Graz (OTS) - Du bist, was du isst", trommelt ein Privatsender
Montag für Montag zu seiner erfolgreichen Doku-Soap. Also, gesund ernähren. Das heißt Vollkornprodukte, viel Obst und Gemüse, sparsamer Einsatz von Fett, am besten mit hochwertigen Ölen. Und dann landet der Verein für Konsumenteninformation (VKI) einen Tiefschlag, testet 18 Olivenöle der höchsten Güteklasse und kommt zu dem Schluss, dass kein einziges frei von Schadstoffen war. Extra bitter anstatt extra fein.

Mahlzeit! Ausgerechnet Olivenöl, um das sich de facto die so gesunde mediterrane Küche dreht. Das uns hohes Alter, gesenkten Cholesterinspiegel und Vorbeugung vor Krankheiten aller Art verspricht. Ausgerechnet Olivenöl, das uns nicht nur von Gesundheitsaposteln so sehr ans Herz gelegt wird.

Was für ein Fressen für die Fast-Food-Fraktion. Preisfrage: Was ist eigentlich ungesünder, ein fettes Fleischlaberl oder Bio-Öl mit Weichmacher?

Es ist zwar ehrenwert, dass sich die Konsumenteninformation ab und zu ein Produkt zur genaueren Begutachtung vorknöpft, dennoch ist es nur eine Bestätigung mehr, wie allein- gelassen die Konsumenten eigentlich sind so zwischen den Regalen - ausgeliefert der Lebensmittelbranche, die gerne jedes Schlupfloch nützt, um mit salbungsvollen Umschreibungen die Kundschaft hinter das Licht zu führen.

Daran ändert auch der vermeintliche Glücksfall nichts, dass wir in Österreich gar zwei Minister haben, die mehr oder minder die Schutzpatrone der konsumierenden Wählerschaft sind. Der Gesundheitsministerin fiel zuallererst als Markstein gesunder Ernährung auch nur ein fettes Schweinsbratl ein. Dazu gibt es noch den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz, der uns offensichtlich weder vor krebserregenden Weichmachern, noch vor Schadstoffen in Speiseölen und schon gar nicht vor Etikettenschwindel zu schützen vermag.

Merke: Italienisches Olivenöl muss noch lange nicht aus Italien kommen, genauso wenig wie Fleisch aus Österreich alpenländischen Ursprungs sein muss. Und der Begriff Bio hat nicht unbedingt mit einer Qualitätsgarantie zu tun.

Jedesmal, wenn ein Skandal im Lebensmittelbereich aufgetischt wird, ertönt lauthals der Schrei nach mehr und besserer Kontrolle - die Sache verläuft dann gerne im Sand.

Freilich, einzelne schwarze Schafe wird es in der Lebensmittelbranche immer geben, davor kann der beste Kontrollmechanismus nicht schützen. Man muss sich aber nicht gleich ganze Herden davon halten. ****

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