Andreas Unterbergers Tagebuch

... und die Brandstifter

Wien (OTS) - ... und die Brandstifter

Es tut gut, kritische Distanz zu halten, wenn "es alle sagen". Denn dann sagt es eigentlich niemand. Das gilt etwa auch für die Ursache der Hunderten Brände, die allsommerlich rund ums Mittelmeer lodern. Allsommerlich wird sofort und immer unbekannten Brandstiftern die Urheberschaft an den vielen Feuern zugeschoben. Man darf jedoch zweifeln, dass die Vorwürfe stimmen - nicht nur, weil Südeuropäer einen besonders unkontrollierten Hang zu wilden Verschwörungstheorien haben.

Denn es werden fast nie solche Brandstifter gefunden. Die jetzt in Griechenland Verhafteten dürften eher in die Casablanca-Kategorie gehören: "Nehmen Sie die üblichen Verdächtigen fest." So wie in Russland immer das "Ausland" schuld ist.

Vor allem aber kommt man ins Zweifeln, wenn man viele dieser Brandplätze selbst sieht: Denn die meisten liegen abgelegen in menschenentleerten Gegenden, wo nur Minderbemittelte glauben können, mit Bauten Geld zu verdienen: Dort müsste man den Menschen im Gegenteil sehr viel zahlen, damit sie hinziehen. Viel plausibler scheinen die anderen, jedoch weniger spektakulären Erklärungen zu sein. Etwa: Weil viele vom Land in die Städte ziehen und weil der Wohlstand der Verbleibenden steigt, sammle niemand mehr das Unterholz, das aber bei Trockenheit bei der kleinsten Fahrlässigkeit oder auch von selber wie Zunder brennt.

Warum diese Erklärungen ignoriert werden? Weil sie weder Quoten noch Stimmen bringen. Bei jenen "Brandstiftungen" scheinen die gleichen medien- und massenpsychologischen Mechanismen zu wirken, die einst die Story vom "NS-Schlächter Waldheim" unausrottbar gemacht haben. Sie sind zu gschmackig, dass man auf sie verzichten will.

Überdies geht unsere Hybris zunehmend davon aus, dass alles machbar, dass alles Menschenwerk sei. Die Natur hat ausgespielt und wird nicht mehr als Faktor wahrgenommen. Dementsprechend wird heute jedes Hochwasser, jede Lawine, jeder Dammbruch, jeder Tsunami, jeder Brückeneinsturz und jede Klimaänderung zum Politikum. Bürger wie Reporter suchen sofort nach einem Schuldigen. Katastrophen entscheiden über Wahlen und halten jahrelang die Justiz auf der Suche nach Tätern in Trab.

Die Natur hält sich hingegen über all das den Bauch vor Lachen. Hätte sie einen solchen.

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